Samstag, 7. Januar 2012

Aarberger Kino steht zum Verkauf

Das Kino Royal in Aarberg: Droht ihm das baldige aus? (Foto: zvg)

Während drinnen im Kino die letzten Minuten des "Verdingbub" laufen, fällt wohl bald der letzte Vorhang für das geschichtsträchtige Aarberger Kino Royal. Die Liegenschaft steht zum Verkauf.

Interessierte müssten für das Wohn- und Geschäftsgebäude an der Murtenstrasse 890'000 Franken aufbringen. Unklar ist derzeit, was nach einem Besitzerwechsel mit dem 130-plätzigen Kino und dem Coiffeursalon im Erdgeschoss geschehen würde. Das Haus wurde im Jahre 1954 erbaut und vor sechs Jahren renoviert.

Bereits im April dieses Jahres berichtete das Schweizer Fernsehen über das drohende Aus für Klein-Kinos in der Schweiz. Der Grund: Die Digitalisierung in der Filmwelt. Immer mehr Filme kommen mit höherer Auflösung, schärferen Bildern und 3-D-Animationen in die Kinos. Um diese Streifen vorführen zu können, müssten die Kino-Betreiber für teures Geld neue Projektoren beschaffen. "Für viele Klein-Kinos bedeutet dies das Aus", so das Schweizer Fernsehen in seiner damaligen Reportage.

Darin zitiert wurde auch der Besitzer des Aarberger Kinos, Walter Loosli. Ohne Fremde Hilfe könne er sein Kino nicht digitalisieren, hiess es damals. Ein moderner, digitaler Projektor koste zwischen 100'000 und 150'000 Franken. Diese Summe entspreche etwa dem Jahresumsatz eines durchschnittlichen Schweizer Kinos, so die Aussage im damaligen Bericht.

Besonders schwierig sei die neue Situation für kleine Kinos wie diejenigen in Aarberg oder Burgdorf, welche vor allem "Mainistream-Filme" zeigen würden. Diese Kinos stehen im Schatten der grossen Kinoketten der nahe gelegenen Bundeshauptstadt. In der Tat: Das Westside ist 20 Fahrminuten entfernt und hat mit seinen topmodern eingerichteten Kinos der Pathé-Kette immer die neuesten Filme im Angebot - und das in neuester Qualität versteht sich.

Noch im April dieses Jahres äusserte sich der Aarberger Kino-Besitzer Walter Loosli gegenüber dem Schweizer Fernsehen wie folgt: «Wenn wir bis in anderthalb Jahren nicht umrüsten können, gibt es eine böse Zeit».

Nun scheint der Film "Die böse Zeit" bereits anzulaufen. Schade für Aarberg: Ein Happy-End ist nicht in Sicht.

Markus Nobs
Aarberger.ch


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Samstag, 31. Dezember 2011

Alles Gute im neuen Jahr

Zelgli-Wald in Aarberg
Der Aarberger Sonntag wünscht Ihnen alles Gute für 2012. Wir freuen uns, wenn Sie auch in diesem Jahr zu unseren Leserinnen und Lesern gehören.

Herzliche Grüsse

Markus Nobs
Redaktor

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Mittwoch, 21. Dezember 2011

Storify - Interessantes über Aarberg auf einen Klick

Aarberger Stedtli 1972. Auch alte Fotos und Geschichten können unter Storify nachgelesen werden (Foto: Fritz Schumacher, Aarberg).
Storify ist eine neue Art von Journalismus. Hier werden relevante Artikel aus der Medien-Welt zusammengefasst und den Leserinnen und Lesern auf einer Seite zur Verfügung gestellt. Zu manchen Artikeln wird auch ein Kommentar zu finden sein.

Probieren Sie es aus - mit einem Klick auf Aarberger.ch Plus (oben rechts). Viel Vergnügen.

Redaktion Aarberger.ch

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Dienstag, 20. Dezember 2011

Stedtli Aarberg in Blauton




Die gesamte Foto-Serie finden Sie unter www.facebook.com/aarberger.

Wir wünschen Ihnen schöne Weihnachtstage

Aarberger Sonntag
Markus Nobs

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Samstag, 17. Dezember 2011

Hier lauert die Gefahr

Sonderangebote in Ehren. Doch hinter diesem Schild befindet sich ein Fussgängerstreifen... (Bild: Markus Nobs).
Werbeschilder - oder so genannte "Kundenstopper" - sind nicht nur bewilligungspflichtig und das Aufstellen auf öffentlichem Boden damit nicht erlaubt. Sie gefährden in hohem Mass auch die Verkehrssicherheit, weil sie die Sicht stark beeinträchtigen können.

Das Mercato in Aarberg hat gut reagiert. Auf den Hinweis, dass mit dem Aufstellen dieses Schildes Fussgängerinnen und Fussgänger (aufgrund ihrer Körpergrösse insbesondere Kinder) beim Ueberqueren des Zebrastreifens gefährdet sind, wurde das Schild sofort vom unglücklichen Standort entfernt.

So positiv reagieren längst nicht alle. Verständlicherweise will man seine Ware anpreisen und ist auf Umsatz angewiesen. Sobald jedoch die Sicherheit gefährdet ist, sollte es aber selbstvertändlich keine Kompromisse geben. Benachteiligt sind oft auch geh- oder sehbehinderte Personen, welche auf solche "Kundenstopper" im Fussgängerbereich treffen, diese zu spät erkennen oder sie nur mit Mühe umgehen können.

Beim abgebildeten Fussgängerstreifen auf der Rössli-Kreuzung (Kantonsstrasse) besteht noch ein weiteres Problem: Die Beleuchtung des Uebergangs ist mangelhaft. Dies in Zeiten, wo der dortige Baum "im Laub" ist. Durch das dichte Laubwerk wird ein grosser Teil des Lichtkegels verdeckt und die an dieser Stelle wartenden Fussgängerinnen und Fussgänger stehen schlichtweg im Schatten.

Kennen Sie weitere mangelhafte Beispiele in Bezug auf die Verkehrssicherheit in Aarberg? Schreiben Sie uns ein Mail (aarberger@facebook.com). Gerne werden wir diese Situatonen den entsprechenden Stellen (Gemeinde, Kanton, Private) mit einem Hinweis auf die nicht optimalen oder gefährdenden Situationen zukommen lassen.

Redaktion Aarberger.ch

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Samstag, 10. Dezember 2011

Neue Foto-Serie über das Stedtli Aarberg







Besuchen Sie uns auf Facebook. Sie finden dort das Album mit der gesamten Foto-Serie (91 Bilder in "Sepia") über das Städtchen Aarberg (aufgenommen durch Markus Nobs im Dezember 2011).

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Betrachten.
Redaktion "Aarberger Sonntag"

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Freitag, 9. Dezember 2011

Ein Stammtisch will die Welt retten

Andreas Muhmenthaler am Cello und Sänger Toni Kunz (Vater von Fernsehfrau Susanne Kunz) präsentierten den Erstlings-Roman im Welt- und Buchladen Aarberg (Bild: Markus Nobs).

Der Lehrer und Musiker Andreas Muhmenthaler hat soeben eine Hommage an Aarberg veröffentlicht. Darin findet sich auch eine gehörige Portion Gesellschaftskritik.

Es scheint, dass auch die Seeländerinnen und Seeländer ihren Franz Hohler gefunden haben. Sowohl im Auftritt mit Cello, als auch in Bezug auf den Inhalt seiner Texte, welche zum Nachdenken anregen und in weiten Teilen keineswegs mit Kritik an der heutigen Lebensweise unserer Gesellschaft sparen. Am Donnerstagabend fand im Aarberger Welt- und Buchladen die Vernissage statt. Wer das Buch bis zu Ende liest, fühlt sich von der Vielzahl gutmenschlicher Aussagen, welche sich im Werk wiederfinden, fast ein wenig missioniert.

Mitfühlender Stammtisch
Eines gleich vorneweg: Die Hauptrolle spielt nicht etwa eine Person, sondern vielmehr ein Stück Mobiliar. Es ist der Stammtisch des Hotels Krone. Bevor dieser jedoch zum Stammtisch wurde, befand er sich als Teil einer uralten Eiche auf einer kleinen Anhöhe oberhalb des Grafenstädtchens und konnte bereits dort alles wahrnehmen, was in seiner Umgebung abging. Der Roman wechselt abermals aus der Zeit des alten Aarbergs hinein ins Stedtli-Leben von heute. Und auch in seiner Eigenschaft als Stammtisch hat das Stück Eiche seine ausgeprägten Fähigkeiten, denken, hören und sogar fühlen zu können, mitnichten eingebüsst. Wie so oft im Leben geht es auch in Muhmenthalers Geschichte um eine Liebesbeziehung, welche nicht sein durfte. Die wohlbehütete Tochter eines gut situierten und einflussreichen Aarberger Burgers verliebte sich zu Kriegszeiten in einen polnischen Internierten. Diese Romanze nimmt schliesslich - wie erwartet in unmittelbarer Nähe der stämmigen Eiche - einen dramatischen Verlauf.

Zwischenmenschliche Eiszeit
Bei ihren Sprüngen ins Aarberg von heute setzt die Geschichte ihren eingeschlagenen Weg unbeirrt fort: Sie will die Welt verbessern. Erstlings-Autor Muhmenthaler streitet nicht ab, dass es seine Ueberzeugungen und seine Haltung sind, welche durch den Stammtisch oder die verschiedene Rollen, die in der Geschichte vorkommen, zu den Leserinnen und Lesern sprechen. Im Gegenteil: „Derzeit bin ich daran, ein Musical zu schreiben“, welches im Herbst nächsten Jahres im Aarberger „Ringmuur“-Keller uraufgeführt werden soll und den zunehmenden „Zerfall der Familien“ zum Inhalt habe, so der Autor. Zusammen mit seinem Freund und Sänger Toni Kunz führte Muhmenthaler die anwesenden Gäste auch an der Buchpremiere durch seine Empfindungswelt, welche mit der heutigen Konsumgesellschaft und der „drohenden zwischenmenschlichen Eiszeit“ hart ins Gericht ging.

Markus Nobs

Tipp: Das Buch kann im Welt- und Buchladen im Stedtli Aarberg gekauft werden.

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Donnerstag, 24. November 2011

Es bleibt bei sieben Gemeinderäten

Im Aarberger Gemeindehaus werden auch ab kommender Legislatur sieben Gemeinderäte regieren (Bild: Markus Nobs).
Der Gemeinderat von Aarberg hat mit seinem Bestreben, die Anzahl Ratssitze von sieben auf fünf zu reduzieren, Schiffbruch erlitten.

Mehrere Redner aus der Gemeindeversammlung befürchteten bei einem Fünfer-Gremium eine zu hohe Arbeitsbelastung für die einzelnen Ratsmitglieder. Unter anderem die SVP und die EDU sprachen sich bereits im Vorfeld der Gemeindeversammlung vehement gegen eine Reduktion aus. Nebst der Zusatzbelastung warnte man insbesondere seitens der SVP auch vor höheren Kosten, welche auf die Bürgerinnen und Bürger zukommen würden. Und: „Wenn wir derzeit dreissig Leute als Vertreter der Bevölkerung in den Kommissionen haben, wären es bei einer Reduktion auf fünf Ressorts gerade noch deren 12 Personen“, gab Petra Wyss, Präsidentin der SVP zu bedenken.

Mehrere Nachredner folgten ihr, so unter anderem Hans Sauser: Die Gemeinderäte müssten bereits in ihrem angestammten Beruf viel leisten, führte er ins Feld. „Dann kommt noch die Arbeit im Gemeinderat dazu“ und das würde dazu führen, dass die Mitglieder in einem fünfköpfigen Gemeinderat erst recht „im oberen Bereich drehen“ würden, so Sauser. SVP-Präsidentin Wyss mahnte auch, dass es schade wäre, wenn sich das Feld möglicher Kandidaten für den Gemeinderat künftig „nur noch auf Pensionierte“ oder auf Personen, welche Teilzeit arbeiten, beschränken würde.

Neues Wirtschafts-Ressort
Obwohl der Gemeinderat in seiner Botschaft die Vorteile einer Ratsreduktion ausführlich darlegte und die Parteien FDP und SP mit unterstützenden Voten für mehr Effizienz und eine klarere Trennung zwischen operativer und strategischer Ebene die Aarberger Regierung stützte, lehnte der Souverän den Antrag mit 79 zu 48 Stimmen deutlich ab. Angenommen hingegen wurden nebst den Aenderungen im Personalreglement indes auch die Teilrevision des Organisationsreglements: In Aarberg wird es ab kommender Legislatur demnach neu das Ressort „Wirtschaft“ geben. Ihm werden unter anderem die Aufgaben Tourismus, Volkswirtschaft, der öffentliche Verkehr oder die Umwelt angehören. Die Neuschaffung dieses Ressorts wurde notwendig, weil durch die Verselbständigung der Energie und Wasser Aarberg (EWA) ein Ressort wegfiel. Dessen Ressortvorsteher Ruedi Krähenbühl (SP) wird bis Ende der laufenden Legislatur im Dezember 2012 ohne Dossier bleiben.

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 25.11.2011

Samstag, 19. November 2011

Die SP kritisiert das Schneckentempo

Für einmal stehen in Aarberg die Tempo-Zonen im Mittelpunkt (Bild: Markus Nobs).
Die SP Aarberg wirft dem Gemeinderat vor, Tempo 30 nicht rasch genug einzuführen. Damit greift sie indirekt auch die eigenen Gemeinderäten an.

„Es ist schon fast beschämend zu sehen, dass fast jede noch so kleine Gemeinde im Seeland Massnahmen zur Verkehrssicherheit eingerichtet hat“. Und: In Aarberg sei hingegen „bis anhin nichts passiert“, so SP-Präsidentin Myriam Lanz im ruppigen Schreiben, welches die Partei soeben dem Gemeinderat zugestellt hat. Laut Lanz hätten bereits im Herbst 2011 die ersten verkehrstechnischen Veränderungen stattfinden sollen. „In erster Linie die Einrichtung der 30er-Zonen“ in mehreren Quartieren, hält sie fest. Auch betreffend der Stedtlidurchfahrt seien Massnahmen besprochen und versprochen worden, so die Präsidentin der Linkspartei.

Gewerbe lief sturm
Was das Stedtli betrifft, sind griffige Verkehrsmassnahmen in der Tat seit längerer Zeit hängig. Auch der Kanton hatte die Gemeinde bereits gerügt, wonach die Geschwindigkeiten in der Begegnungszone des Stedtlis nicht eingehalten würden und entsprechende Massnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion getroffen werden müssten. Durch den Gemeinderat vorgeschlagene Massnahmen, wie etwa eine Barriere in der Mitte des Stadtplatzes, welche eine Durchfahrt unterbinden sollte, wurden durch die Laden- und Restaurant-Besitzer mit grosser Opposition bekämpft (das BT berichtete). Seither wurden zwar weitere Massnahmen angekündigt, jedoch noch nichts davon umgesetzt.

Antwort in Aussicht
„Wir haben das Schreiben der SP gerade erst erhalten“, so Gemeinderat Urs Zbinden. Es sei an den Gesamtgemeinderat gerichtet und dieser werde der SP in nächster Zeit eine Antwort zukommen lassen, hält der Ressortvorsteher Tiefbau fest. Zu dieser Zeit werde dies dann auch der Oeffentlichkeit kommuniziert. Nur verständlich, dass Zbinden nicht will, dass die anfragende Partei die Antwort zuvor aus den Medien erfährt. Klar ist indes aber auch, dass in Bezug auf die Tempo-30-Zonen seitens der Gemeinde bereits mehrere Schritte in die Wege geleitet wurden. So konnten die Aarbergerinnen und Aarberger in den letzten Monaten feststellen, dass die vorgeschriebenen Baupublikationen für mehrere Tempo-30-Zonen im Amtsanzeiger ausgeschrieben worden waren. Ebenfalls wurden die Bewohner mehrerer Quartiere in Vernehmlassungen einbezogen. Pikant ist, dass im Gemeinderat auch zwei SP-Vertreter Einsitz haben. Die Frage ist nun, ob die Kommunikation innerhalb der Partei nicht zufriedenstellend läuft oder ob mit dem Gang an die Oeffentlichkeit zusätzlicher Druck aufgebaut werden soll. Fortsetzung folgt.

Zonen mit Tempo-Reduktion

• Tempo 30: Geplant sind Zonen in den Quartieren Leimern, Aarezelg, Spins, Mühlau, Blüemlismatt und Dammweg.
• Tempo 20: Eine sogenannte Begegnungszone ist im Stedtli bereits realisiert.
• Hier fehlen laut Kanton jedoch noch griffige, verkehrstechnische Massnahmen, um Tempo 20 sowie den Fussgänger-Vortritt einhalten zu können.

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 18.11.2011

Freitag, 18. November 2011

Ratsgrösse wird zur Glaubensfrage

An der bevorstehenden Gemeindeversammlung von Aarberg entscheidet der Souverän über die künftige Grösse seiner Regierung. Die Meinungen sind geteilt (Bild: Markus Nobs).
Die Aarbergerinnen und Aarberger können sich wahrlich nicht darüber beklagen, lediglich über unwichtige Vorgänge in ihrer Gemeinde entscheiden zu können. Während noch im Frühjahr die Umnutzung des Ziegelei-Areals, auf welchem ein Einkaufszentrum entstehen soll, im Mittelpunkt stand, wird der Souverän jetzt die künftige Grösse der Aarberger Exekutive festlegen können. Und wie bereits bei der letzten Gemeindeversammlung ist absehbar, dass der Krone-Saal abermals gut besetzt sein wird. Geht es doch um eine Vorlage, welche einiges an Zündstoff enthält.

Geritztes Kollegialitätsprinzip
Zwar sprechen sich die meisten Ortsparteien dafür aus, dass künftig nur noch fünf, anstelle bisher sieben Ratsmitglieder regieren sollen. Dagegen ist einzig die SVP. Just jene Partei also, welche unlängst bei den National- und Ständeratswahlen in der Gemeinde Aarberg satte 33,28 Prozent Wähleranteile erreicht hat. Klar ist, dass sich die Verwaltung und die Ratsmehrheit für eine Reduktion aussprechen. Es ist aber der Aarberger Gemeinderat selbst, welcher durch seine Abstimmungsbotschaft das Kollegialitätsprinzip innerhalb der Regierung ritzt. „Die Argumente der ablehnenden Ratsminderheit decken sich mit jener ihrer Partei“ ist in der 40 Seiten dicken Broschüre zur bevorstehenden Gemeindeversammlung nachzulesen. Somit wird also in einem offiziellen Papier dargelegt, wer innerhalb des Gemeinderats gegen die Ratsreduktion ist: Die drei Vertreter der SVP.

Bemerkenswert ist auch, dass sich die EDU als Kleinpartei noch bei der Lancierung der Diskussion um eine Ratsreduktion eine solche durchaus vorstellen konnte. Wichtig war Präsident Kurt Affolter damals jedoch, dass auch die kleinen Parteien, welche nicht im Gemeinderat vertreten sind, Einsitz in die Kommissionen nehmen könnten. Davon will der heutige Rat laut Abstimmungsbotschaft jedoch nichts wissen. Es sollen auch künftig nur jene Parteien in den Kommissionen Einsitz nehmen können, die auch in der Regierung vertreten sind. Es ist davon auszugehen, dass die EDU sich aufgrund dieser Entwicklung der SVP anschliessen wird, wenn am kommenden Donnerstag die Hände gehoben werden.

Räte suchen Handfestes
„Die SP sieht den Vorteil einer Ratsreduktion in einer dynamischeren und effizienteren Organisation“, ist Myriam Lanz, Präsidentin der SP-Ortspartei überzeugt. Dem können sich auch FDP und BDP anschliessen. Im Vordergrund stehe auch, dass es immer schwieriger werde, Personen für die Arbeit im Gemeinderat zu finden, argumentiert Lanz. Genau hier sieht SVP-Präsidentin Petra Wyss eines der Probleme. Denn es könne durchaus auch aufgrund einer zu hohen Arbeitsbelastung schwierig werden, genügend Personen zu finden, welche sich für den Einsitz im Rat zur Wahl stellen. Zudem sei die Bevölkerung von sieben Gemeinderäten besser vertreten, als nur von fünf. Für Gemeindeschreiber Beat Soltermann ist indes klar: Sich zu lösen von operativen Aufgaben, sei für einen Gemeinderat manchmal schwer. Zudem möge es „spannender erscheinen, etwas Handfestes zu beschliessen, als im Strategischen zu schwelgen“, so Soltermann. Damit spricht er die Problematik an, dass Gemeinderäte „teilweise gewollt, teilweise ungewollt“ ins operative Geschäft eingreifen, welches eigentlich in der Kompetenz der Verwaltung liegt.

Weitere Traktanden

Nebst der Ratsreduktion geht es am Donnerstag unter anderem um folgende Geschäfte:

• Reglement über die Urnenwahlen- und Abstimmungen.
• Kreditantrag Sanierung Nidaustrasse (0,45 Mio.).
• Beschluss über den Beitritt zur Regio-Feuerwehr.
• Voranschlag 2012: der Gemeinderat hat aufgrund FILAG in eigener Kompetenz die Steuern erhöht.

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 17.11.2011

Samstag, 12. November 2011

FDP mit neuem Präsidium in den Wahlkampf

Die FDP Aarberg besetzt mit Arnold Stalder derzeit das Gemeindepräsidium sowie einen weiteren Gemeinderatssitz (Bild: Markus Nobs).

Die FDP Aarberg hat an ihrer gestrigen Mitgliederversammlung die Frau des jetzigen Gemeindepräsidenten zu ihrer neuen Chefin gewählt.

Liselotte Stalder übernimmt das Amt von Christoph Eigenmann und "werde die FDP Aarberg in den Wahlkampf führen", wie die Partei mitteilt. Im Herbst 2012 finden in Aarberg Gemeinderats-Wahlen für die Legislatur ab 2013 statt.

Die FDP hat noch drei weitere Kräfte ins Boot geholt: Als Vizepräsident wird Christian Brenzikofer amten. Der Chef Personal der Kantonspolizei Bern war früher bereits selbst Präsident der FDP Aarberg. Als Kassierin konnte Franziska Jaccottet sowie als Beisitzer Martin Käser verpflichtet werden.

Samstag, 5. November 2011

Mildes Herbstwetter am Zibelemärit - Impressionen






Bilder: Markus Nobs

Sonntag, 30. Oktober 2011

BDP will in den Gemeinderat

Gäste an der Hauptversammlung von Ende Oktober in der Krone: Die BDP-Grossräte Monique Unterrassner, Ueli Spring und Jan Gnägi (Bild: Markus Nobs).

Für die Wahlen im kommenden Jahr hat die BDP Aarberg und Umgebung ein klares Ziel. Sie will einen Sitz im Gemeinderat holen.

Für die laufende Legislatur hatte die BDP in Aarberg noch nicht antreten können; weil es sie bei den letzten Wahlen noch gar nicht gab. Nach mittlerweile dreijähriger Aktivität, unter anderem mit der Mitwirkung zur Ortsplanung, ist für Parteisekretär Dominik Herren klar: "Einen Sitz im Gemeinderat wollen wir gewinnen". So einfach diese Aussage klingt, so brisant ist sie. Bringt die BDP damit doch unmissverständlich zum Ausdruck, dass sich die bisherigen Parteien auf eine weitere Konkurrentin im Rennen um die Plätze in der Exekutive einstellen müssen.

Gute Ausgangslage
Das Vorhaben der "Neuen Kraft", wie sich die BDP auch nennt, könnte durchaus gelingen: Hat die Partei bei den vergangenen Grossrats-Wahlen im Kanton Bern doch über 16 Prozent an Stimmen geholt. In Aarberg waren es gar deren 20,2 Prozent. Das Erreichen dieser 20-Prozent-Marke ist es auch, welche bei einem fünfköpfigen Gemeinderat für den Gewinn eines Sitzes notwendig wäre. Der Aarberger Souverän wird ja bekanntlich an der kommenden Gemeindeversammlung darüber abstimmen, ob in Aarberg nur noch fünf statt bisher sieben Gemeinderäte regieren werden.

Kandidaten gesucht
Pro Gemeinderatssitz hat eine Partei zusätzlich Anrecht auf jeweils einen Sitz in den entsprechenden Kommissionen. Personen also, die zuerst gefunden werden müssen. Die Suche danach sei indes bereits angelaufen, wie Parteipräsidentin Vreni Jenni-Schmid bekannt gibt. Auch im Vorstand der BDP Aarberg und Umgebung ist man am Erneuern. Für die zurücktretende Ursula von Bergen aus Kallnach ist soeben der knapp 18-jährige Lukas Reithmeier, ebenfalls wohnhaft in Kallnach, in den Vorstand gewählt worden. "Ich bin für das Stimmrechtsalter 16", so Reithmeier. Es sei doch schade, dass Schülerinnen und Schüler in der achten und neunten Klasse über Politik informiert würden, sie aber dann nach der obligatorischen Schulzeit zwei Jahre warten müssten, bis sie selbst abstimmen und wählen können, argumentiert Reithmeier.

Die BDP Aarberg und Umgebung in Zahlen

- Die BDP Aarberg und Umgebung umfasst die Gemeinden Aarberg, Kappelen, Kallnach, Niederried, Radelfingen, Bargen.

- Insgesamt rund 50 Mitglieder.

- 2012 will die BDP auch in Radelfingen zu den Wahlen antreten.

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 27.10.2011

Montag, 24. Oktober 2011

Schweizer wählten nicht nur SVP

Weder nach links, noch nach rechts gekippt. Erstarkt ist bei diesen Wahlen die Mitte (Bild: Markus Nobs).

Die BDP und die Grünliberalen gehen schweizweit als Sieger hervor. Die Wahlbeteiligung lag national bei 48,6 Prozent. In Aarberg nahmen 51,78 Prozent ihr Stimmrecht wahr.

Aufteilung der 26 zu verteilenden Sitze im Kanton Bern

SVP: 29 % Wähleranteil, 8 Sitze (-2)
SP: 19,3 %, 6 Sitze (unverändert)
FDP: 8,7 %, 2 Sitze (-2)
CVP: 2,1 %, 0 Sitze (-1)
Grüne: 9,5 %, 3 Sitze (unverändert)
EVP: 4,2 %, 1 Sitz (unverändert)
EDU: 3,1 %, 0 Sitze (-1)
Grünliberale: 5,3 %, 2 Sitze (+2)
BDP: 14,9 %, 4 Sitze (+4)

So haben die Aarbergerinnen und Aarberger gewählt (Auszug)

Nationalrat

13'423 Parteistimmen für die SVP
7'183 Parteistimmen für die BDP
7'020 Parteistimmen für die SP (Frauen- und Männerliste zusammen)
3'836 Parteistimmen für die FDP
2'405 Parteistimmen für die Grünen Kanton Bern
1'909 Parteistimmen für die Grünliberalen
1'156 Parteistimmen für die EDU
1'129 Parteistimmen für die EVP

Ständerat

701 Stimmen für Werner Luginbühl, BDP
657 Stimmen für Adrian Amstutz, SVP
550 Stimmen für Hans Stöckli, SP
380 Stimmen für Alec von Graffenried, Grüne
307 Stimmen für Christian Wasserfallen, FDP

Es wird ein zweiter Wahlgang für den Ständerat notwendig.

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Freitag, 14. Oktober 2011

Die letzte Ernte auf der Kräheninsel


Dieser Platz bleibt bald leer: Die Pächter zügeln ihre Gärten ab Dezember - oder hören gleich ganz mit dem "Gärtelen" auf. Bild: Markus Nobs.

Impressionen aus einem Garten, der seine letzte Ernte hervorbringt - und bald nicht mehr sein wird.

Normalerweise sind Schrebergärten ein Ort der Ruhe und Glückseligkeit. Nicht so derjenige auf der Aarberger Kräheninsel in diesem Herbst. Bald fahren hier die Bagger auf, um den idyllischen Flecken dem Erdboden gleich zu machen. Der Grund: Die Aarbergerinnen und Aarberger haben dem Bau einer Halle mit Mehrzwecknutzung zugestimmt. Als geeignetster Standort wurde ebendieser Platz in der Aarolina auserwählt.

Die Anzeichen sind untrüglich. Einige der heutigen Parzellenbesitzer haben bereits mit dem Rückbau ihrer Gartenhäuschen begonnen. Hier liegen ein paar Holzlatten auf einer Beige, dort stehen kleine Blocksteine, welche als Wegbegrenzung dienten, aufeinander gestapelt am Rand das Pfades und warten auf ihren Abtransport.

Internierte Vögel
Auf der südlichen Seite des Gartens steht eine Bretterbude. Beim Näherkommen schaut man zuerst verwundert und vor allem suchend in die Luft, bis man feststellt, dass das Gurren der Tauben aus dem Innern des Holzstalls stammt. Mehrmals in der Woche dürfen die Vögel jedoch ihr hölzern verkleidetes Nest verlassen und - sozusagen als weissen Kontrapunkt zu den hier zahlreich vorhandenen Namensgebern der Kräheninsel - zu einem Rundflug über das angrenzende Naturschutzgebiet ansetzen.

Während vielen Jahrzehnten hat dieser Garten seinen Pächtern und deren Familien Nahrung gespendet und vor allem Freude bereitet. So auch heute, wenn mit dem Nebelband auch etwas Melancholie über den Pflanzbeeten zu schweben scheint. Neben dem Gewächstunnel mit den noch immer rot leuchtenden Tomaten und Paprikas haben zwei alte Männer wohl für eines der letzten Male ihr Cheminée angefeuert. Gewiss werden hier gerade nicht nur brennbare Materialien verfeuert, welche vollumfänglich der Luftreinhalteverordnung entsprechen würden.

Wertschätzung an die Natur
Die beiden kräftigen Nussbäume zuhinterst im Schrebergarten sind längst abgeerntet worden. Kaum eine Nuss ist noch auffindbar. Sowohl am Baum selbst, als auch am Boden. Das Beispiel zeigt, dass hier Menschen die Gärten bewirtschafteten, welche die Früchte der Natur zu schätzen wussten. Im Gegensatz dazu stehen im nahe gelegenen Einfamilienhaus-Quartier noch immer Apfel- und Birnenbäume, prallgefüllt mit ihren Früchten, die meisten davon jedoch verfault.

Dort, ganz hinten in der Ecke versucht ein violetter Strandflieder, welcher in unseren Breitengraden eigentlich gar nicht heimisch ist, vergeblich alles zum Guten zu wenden. Es ist, als wollten seine Dolden mit den kleinen, filigranen Blüten ein letztes Mal auf sich aufmerksam machen und sagen: „Auch was fremd und andersartig ist, kann durchaus erfreulich und freundlich sein“. Mazedonier, Portugiesen, Italiener und natürlich auch Schweizer, insgesamt 34 Pächter, haben auf diesem Stück Land, welches etwa der Grösse eines Fussballfeldes entspricht, etliche schöne Stunden verbracht und nicht zuletzt ihre Familien kostengünstig mit Gemüse und Früchten versorgen können.

Menschliche Züge
Ueber Streitigkeiten ist nicht viel bekannt, wenngleich einer der Männer angibt, für sein Häuschen damals eine Baubewilligung gebraucht zu haben, während dem „dieser dort drüben wie ein Zigeuner gebaut hat“ – und damit zu erkennen gibt, dass wie in der Gesellschaft, wohl auch hier gelegentlich Neid und Missgunst zu den Besuchern zählten. Ein anderer spricht davon, nur Biogemüse angebaut zu haben. Zeitgleich kommt sein Fingerzeig zu einem Nachbargrundstück, wo der dortige Pächter den Dünger gleich „sackweise“ in seine Beete eingebracht haben soll.

Die Kräheninsel in Zahlen

• Heute 40 Parzellen, welche durch Personen aus Aarberg, Bargen, Lyss und sogar Kerzers bewirtschaftet wurden.

• Eine Parzelle kostet lediglich 30 Franken Pachtzins pro Jahr.

• 18 der heute 34 Pächter zügeln ihre Gärten ab Dezember an einen neuen, von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Standort.

• Neu können nur noch in Aarberg wohnhafte Personen Pächter sein.


Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 14.10.2011

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Freitag, 7. Oktober 2011

GA-Tageskarte kostet neu 40 Franken

Wie die Einwohnergemeinde mitteilt, wird ab Dezember 2011 der Preis der SBB-Tageskarten auf 40 Franken erhöht. Grund seien Preisanpassungen der SBB. Seit diesem Jahr können die Tageskarten nur noch durch Einheimische gelöst werden. Es stehen insgesamt fünf Karten zur Verfügung, welche am Schalter der Gemeinde oder via Internet (www.aarberg.ch) gebucht werden können.

Freitag, 16. September 2011

Mit der Tour de Suisse mitten ins Herz fahren

Wird das Stedtli aus allen Nähten platzen? Die Etappenankunft der Tour de Suisse im nächsten Jahr soll auf dem Stadtplatz erfolgen (Bild: Markus Nobs).

Erste Strecken-Besichtigung in Aarberg mit Tour de Suisse-Direktor Kurt Betschart. Eine Knacknuss bietet die Zielankunft auf dem "Stedtliplatz".

Jeweils im August beginnen für Tourdirektor Kurt Betschart die Besichtigungen der Etappenorte des darauffolgenden Jahres. Nach welchen Kriterien wird entschieden, wo sich Start und Ziel befinden? Welche Faktoren müssen berücksichtigt werden?

Zosso: Sperrung kein Problem
Kurt Betschart erzählt von seinem Besuch in Aarberg und den Herausforderungen an diesem Etappenort: „Das Ziel der 3. und der Start der 4. Etappe erfolgen in Aarberg im Berner Seeland. Aarberg verfügt über einen sehr schönen Platz im historischen Ortszentrum. Normalerweise gilt dort Tempo 20, was dem Fussgänger den Vortritt gegenüber dem motorisierten Verkehr gewährt. Selbstverständlich möchten wir mit der TdS mitten ins Herz von Aarberg fahren. Aus organisatorischer Sicht bietet der Stadtplatz ausreichend Quadratmeter, um die komplette Infrastruktur der Tour aufzustellen. Zudem ist es gemäss OK-Präsident Hans Rudolf Zosso glücklicherweise kein Problem, den Stadtplatz während zwei Tagen komplett zu sperren und auch die Geschwindigkeitsbegrenzung wird für die Radprofis ausser Kraft gesetzt ...", so der Tourdirektor.

Attraktive Etappenankunft und idyllischen Start
Betschart weiter: "Ein grosses Hindernis stellt bei einer Zielankunft in einer Altstadt oftmals die Zufahrt dar. Der Stadtplatz ist nur aus zwei Richtungen zu erreichen. Aus östlicher Richtung muss man mindestens zwei 90 Grad Kurven befahren, was für eine Flachetappe mit eventuellem Massensprint zu gefährlich ist. Aus westlicher Richtung kann das Stadtzentrum über eine alte, schmale Holzbrücke mit einer Maximalhöhe von 2.95 Meter erreicht werden. Aus renntechnischer Sicht werden wir die Anfahrt nach Aarberg entweder so gestalten, dass sich das Feld in verschiedene Gruppen teilt oder dass es sich durch mehrere Kurven schlängeln muss und somit in die Länge gezogen wird. Eine weitere Knacknuss sind die nur beschränkt verfügbaren Parkplätze in der Altstadt. Da alle vorhandenen Flächen mit der Tour-Infrastruktur belegt werden, muss der Tour-Tross mit den rund 500 Fahrzeugen ausserhalb in der Industriezone oder auf befestigten Wiesen abgestellt werden. Trotz allen Herausforderungen bin ich überzeugt, dass wir zusammen mit dem lokalen Organisationskomitee eine schöne, attraktive Etappenankunft und einen idyllischen Start erleben werden", so Kurt Betschard überzeugt.

Quelle: "Tourletter" der Tour de Suisse von dieser Woche

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Montag, 12. September 2011

Ein Dutzend Panzer im Garten



Gruppenbild mit Schildkröten: Magdalena Siegenthaler und ihre Töchter Selina und Ursina. Auf dem Bild fehlt Ueli Siegenthaler (Bilder: Markus Nobs).

Ihre Widerstandsfähigkeit ist sprichwörtlich. Doch auch Schildkröten sind vor Angriffen nicht gefeit. Zu Gast bei Familie Siegenthaler in Seedorf.

Beim Chutzenturm oberhalb Ruchwil hebt ein Milan zu seinem Flug ab. Unter sich sieht er ein gelbes, langgezogenes Etwas, das sich die steile Strasse hinauf Richtung Frienisberg zwängt: Ein Postauto. Etwas zu gross und bestimmt nicht nach seinem Geschmack wäre diese Beute für den Raubvogel. Im Gegensatz dazu würde er die kleinen Schildkröten, welche er beim Ueberflug im Garten von Familie Siegenthaler aus Seedorf ausmachen kann, wohl keineswegs verschmähen. Doch abermals wird sein Raubflug jäh unterbrochen: Es ist frühmorgens, kurz vor Sieben. Selina, die 14-jährige und damit ältere Tochter des Hauses geht mit einer Handvoll Salatblätter durch den Garten, um ihre Krabbler zu füttern. Nicht selten ist sie es, welche noch bevor sie nach Aarberg in die Schule geht, die Tiere füttert. „Heute sind die Schildkröten gross genug und nicht mehr gefährdet, von einem Raubvogel gepackt zu werden“, ist Selina beruhigt. Das war nicht immer so: Als einige der Schildkröten noch klein waren, „etwa so gross wie ein Fünfliber“, mussten diese in einem Teil des Geheges mit einer Gitterabdeckung geschützt werden. Doch zu ihren Feinden zählen auch heute noch Hunde oder Füchse. So weist Schildkröte Maxi, die achtjährig ist, zwei gut sichtbare Löchlein am Bauch auf „und es fehlt ihr eine kleine Ecke des Panzers“, so Selina. Diese mittlerweile gut verheilten Verletzungen stammen den Spuren nach von einem Fuchs, der Maxi vor zwei Jahren zu den Nachbarn hinüber verschleppt hat. Selina: „Glücklicherweise konnte er dort noch rechtzeitig wiedergefunden werden“.

"Basil beisst"
Jede der dreizehn Griechischen Landschildkröten von Familie Siegenthaler trägt einen Namen und hat ihre Eigenart. Sowohl optisch, wie auch in Bezug auf ihr Verhalten: „Basil beispielsweise beisst“, weiss Ursina, die 10-jährige Tochter von Siegenthalers aus eigener Erfahrung. Besonders ansprechen würden Schildkröten auf die Farbe Rot. So eilen diese dann auch unverzüglich durch die Kiesel, um eine kleine Tomate zu vertilgen, welche gerade ins Gehege gelegt wurde. „Ebenso reagieren sie auch auf einen rot gefärbten Zehennagel“, lacht Magdalena, die Mutter von Selina und Ursina. Unter dem Currykraut versteckt sich Luna, ein weiteres Prachtsexemplar der Urtier-Familie. Die Bepflanzung im überaus grosszügig angelegten und in drei Bereiche unterteilten Schildkröten-Park, ist nicht zufällig gewählt: „Es ist wichtig, dass Schildkröten verschiedene Pflanzenarten in ihrem künstlichen Lebensraum wiederfinden“, weiss Magdalena Siegenthaler, die als Lehrerin in Jegenstorf unterrichtet. Nebst weiteren Kräuterarten wie Thymian oder Rosmarin ist auch Lavendel vorhanden. „Dieser ölt den Tieren beim Hindurchkriechen den Panzer und dient dadurch gleichsam der Pflege", ergänzt Magdalena Siegenthaler. Im Frühjahr muss der Panzer der Schildkröten zusätzlich mit etwas Olivenöl eingerieben werden.

Einchecken im Hotel
Wenn es nun Herbst wird, beziehen die Schildkröten bald ihr "Hotel" für den Winterschlaf. Von Oktober bis März verbleiben sie dann in einer der drei grünen Tonnen, welche in die Erde eingelassen sind. Sobald sie dort "eingecheckt" haben, graben sie sich bis 120 Zentimeter tief in den Holzschnitzel-Boden, damit ihnen die Kälte im Winterhalbjahr nichts anhaben kann. Doch auch den Sommer über ist das durch Vater Ueli erbaute Schildkröten-Hotel gut ausgelastet. In dieser Zeit begeben sich die Tiere jedoch nur nachts dorthin. Denn frühmorgens sind sie bereits wieder erpicht darauf, draussen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen einzufangen. "Schildkröten brauchen sowohl die Sonne, als auch genügend schattige Plätze", weiss Ursina und zeigt auf das sogenannte Frühbeet; auch ein Bauwerk ihres Vaters. Es ist eine Art durchsichtiger Verbindungstunnel zwischen zwei Gehegen. "Dort gibt es im Frühjahr regelrecht Stau, weil sich die Tiere nach dem Winterschlaf unter der Plexiglas-Scheibe aufwärmen wollen", ergänzt ihre Mutter lachend.

Die richtige Bepflanzung

• Schildkröten brauchen eine Bepflanzung und Wasserstellen, welche ihrem natürlichen Lebensraum entspricht.

• Geeignet sind beispielsweise Kräuter, Lavendel und Hibisken.

• Eine Schildkröte benötigt rund zwei Quadratmeter Platz, sollte jedoch nie alleine gehalten werden.

• Griechische Landschildkröten können nicht schwimmen: Daher Vorsicht mit der Tiefe bei den Wasserstellen.


Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 10.09.2011

Donnerstag, 25. August 2011

Weniger Gemeinderäte für mehr Lohn


Aarberg soll künftig nur noch von fünf Gemeinderäten regiert werden. Jedenfalls, wenn es nach dem Willen der Ortsparteien geht. Dagegen spricht sich einzig die SVP aus, welche jedoch wählerstärkste Partei ist.

Soeben ist die Vernehmlassung zu einer möglichen Ratsreduktion von sieben auf fünf Gemeinderäte zu Ende gegangen. Mit einem erstaunlichen Resultat: Sogar kleine Parteien wie die EDU oder die BDP sind für eine Reduktion des Gemeinderats. Die BDP beispielsweise ist bisher noch nicht im Rat vertreten, da es sie bei den letzten Wahlen noch gar nicht gab. Nun stimmt sie einer Verkleinerung der Regierung zu, obwohl dadurch ihre Chance auf einen Sitz bei den nächsten Wahlen deutlich schrumpft.

Wo man sich kenne und wo der Bezug zur Sache ein unmittelbarer sei, spiele die Sachpolitik die wichtige Rolle, argumentiert die BDP in ihrer Mitteilung. „Damit rückt die Frage der Grösse des Gemeinderats in den Hintergrund“, so Dominik Herren, Sekretär der BDP Aarberg. Schliesslich sei festzustellen, dass es infolge verschiedener Reorganisationen auf kantonaler und regionaler Ebene – die BDP denkt dabei an die Kantonspolizei oder den Zivilschutz - kaum mehr Sinn mache, sieben Ressorts zu definieren, hält Herren fest.

Auch FDP und SP dafür
Dass die SP dies auch so sieht, wurde bereits im Vorfeld angenommen: „Die SP möchte festhalten, dass es in erster Linie um eine Reduktion von sechs auf fünf Gemeinderäten geht“, so Myriam Lanz, Präsidentin der Linkspartei. Denn: Bereits heute habe Ruedi Krähenbühl (SP) durch den Wegfall der Elektrizitäts- und Wasserversorgung Aarberg kein eigenes Ressort mehr zu vertreten. Die SP sehe in einem Erhalt eines Siebner-Gremiums viele Ueberlagerungen, welche die Führung erschwere und in einem schwerfälligen Funktionieren münde, ist Lanz überzeugt. Mehr Effizienz fordert auch die FDP: „Tief- und Hochbau werden bereits heute durch dieselbe Organisationseinheit der Verwaltung betreut“, so FDP-Präsident Christoph Eigenmann. Und: Die Zusammenlegung der politischen Ressorts sei demnach eine logische Folge dessen, was bereits heute auf der operativen Ebene gelebt werde.

Gegen Verwaltungs-Ausbau
Gegen einen Ausbau dieser operativen Ebene, sprich der Verwaltung wehrt sich indes die SVP vehement. Präsidentin Petra Wyss: „Die Gefahr, dass die Verwaltung ausgebaut werden könnte oder der Ruf nach einem Parlament“, seien es, welche die SVP dazu veranlasst habe, mit deutlichem Mehr gegen eine Ratsreduktion zu stimmen. Ein weiteres wichtiges Argument sei die zu hohe Arbeitsbelastung, welche auf die Gemeinderäte zukommen würde. Einzig einer Erhöhung der Gemeinderats-Gehälter kann die SVP zustimmen. Denn: „Die Entschädigung ist seit Jahren die gleiche“, gibt Wyss zu bedenken. Auch die SP verlangt, dass die Gemeinderäte künftig mehr in der Lohntüte haben sollen: „Wir rechnen damit, dass die verbesserte Aufgabenteilung und die Erhöhung des Honorars das Amt im Gemeinderat attraktiver macht“, ist SP-Präsidentin Lanz überzeugt. Darüber, wie viel dies schlussendlich sein wird und ob auch das Amt des Gemeindepräsidenten mehr Stellenprozente zugesprochen erhält, wird dereinst schliesslich noch der Souverän mit seinem Entscheid an der Gemeindeversammlung ein Wörtchen mitzureden haben.


Streit um Aufgabenzuteilung

• FDP will bei Ratsreduktion auch die Anzahl Kommissionen kürzen.
• SVP ist damit nicht einverstanden. Die Bevölkerung sei mit sieben Gemeinderäten besser vertreten, als mit fünf.
• SP will die beiden Ressorts Soziales und Bildung zusammenschliessen.
• EDU möchte alle Ortsparteien in den Kommissionen vertreten sehen; unabhängig davon, ob Sitze erreicht wurden oder nicht.
• BDP stellt fest, dass das Ressort Sicherheit aufgrund Kantonalisierung und Regionalisierung überflüssig werde.


Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 25.08.11

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Mittwoch, 24. August 2011

Von der Pintenschenke zur Erlebnis-Gastronomie


Das neue Pächterpaar vor dem Restaurant „Zur Brücke“: Esther Zwahlen und Ralph Spychiger.

Soeben hat die „Brücke“ in Aarberg neu eröffnet. Mehreren Pächtern ist es in der Vergangenheit nicht gelungen, rentabel zu wirten. Das soll sich jetzt ändern.

Mit neuem Pächterpaar und einer Erlebnisgastronomie will Besitzer Ulrich Schmid mit dem Restaurant „Zur Brücke“ an ehemals erfolgreiche Zeiten anknüpfen. „Ja, wir möchten die Brücke wieder aufleben lassen“, ist Schmid zuversichtlich. Aus diesem Grund habe er auch „jemand Ausgewiesenes“ als Pächter gewählt. Schmid: „Wir hoffen dadurch, dass die Gäste von früher wieder in die Brücke zurückkehren werden“. Mit „früher“ meint er die Zeit vor rund fünfzehn Jahren, als der damalige Wirt Emil Hurni weitherum einen sehr guten Ruf hatte und auch viele Aarberger Stammgäste in seinem Betrieb begrüssen konnte. „Seit Hurnis verstorben sind, lief es in der Brücke nie mehr zufriedenstellend“, weiss Schmid.

Mehrere Pächter kapitulierten
In der Tat: Mehreren Pächtern gelang es in den vergangenen Jahren nicht, den Betrieb rentabel zu führen. Diese mussten oft bereits nach kurzer Zeit die Segel streichen. Eigentlich verwunderlich, denn das Restaurant ist am Kopf der Aarberger Holzbrücke eigentlich optimal gelegen. Das soll sich nun ändern: Esther Zwahlen und Ralph Spychiger sind als Wirtepaar optimistisch, dass die „Brücke“ sowohl als Speiserestaurant, als auch als Treffpunkt für Einheimische bald wieder in aller Munde ist. Unser Konzept ist die Erlebnisgastronomie“, so Zwahlen. Dazu zählen beispielsweise Fleischspiesse, welche sich die Gäste im Alkoholfeuer direkt am Tisch selbst brutzeln können.

Brand in der Pintenschenke

- Am Ort des heutigen Restaurants „Zur Brücke“ stand vor über 200 Jahren eine Pintenschenke.

- Diese befand sich im Erdgeschoss des dortigen Kornhauses.

- Im Januar 1779 fielen das Kornhaus und damit auch die Schenke einem Brand zum Opfer.

- Der damalige Schenk erlitt einen Schaden, welcher etwa dem Jahreslohn eines Zimmermanns entsprach.


Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 23.08.11


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Sonntag, 21. August 2011

Ferrari-Treffen in Aarberg: Impressionen






Heute Sonntag trifft sich im Aarberger Stedtli die Ferrari-Fangemeinde. Ein besonderer Blickfang bot der Ferrari von "Ueli Maurer". Die Militär-Folie ist nur geklebt, darunter steckt ein "gewöhnlicher", roter Italiener.

Markus Nobs

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Dienstag, 19. Juli 2011

"Die schönste Seeländer Sommerwanderung"








Wer denkt, die Wanderung vom Aarberger Stadtplatz bis hinauf zum Chutzenturm im Frienisbergwald sein ein Steiss, irrt sich. Der Fussweg durch das Mühletal hinauf nach Lobsigen und Ruchwil ist ein wahrhaftig wundersames Erlebnis mit vielen spannenden Begegnungen. Der Weg verläuft auf der ganzen Strecke nur leicht, fast unmerklich ansteigend - wenn man denn den richtigen Weg wählt.

Beim oberen Brunnen am Aarberger Stadtplatz werden die Trinkflaschen mit "kostbarem" Aarberger Wasser abgefüllt. Schon geht es los über die Holzbrücke, dem Aarbiente entlang an der Badi von Aarberg vorbei, wo bereits frühmorgens einige Unerschrockene ihre Strecken schwimmen. Beim Wasserkraftwerk Aarberg geht man Richtung Radelfinger Au. Beim Einlauf des Mühlebachs in die grosse Aare biegt man links in den Fusspfad Richtung Mühletal ab. Im Mühletal trifft man auf ein Transformatoren-Häuschen aus dem Jahr 1919, welches sanft renoviert wurde und heute ein kleines "Strom"-Museum mit alten Dokumenten beinhaltet. Gleich nebenan befindet sich direkt über dem Mühlebach gelegen, die lauschige Gartenlaube der Familie Schori.

Romantische Gärten und moderne Architektur, welche man hier im ländlichen Gebiet nicht erwarten würde

Nach den Häusern rund um die alte Mühle herum öffnet sich das Tal Richtung Lobsigen. Dort empfangen einem sowohl romantische Gärten, als auch moderne Architektur, welche man hier im ländlichen Gebiet nicht erwarten würde. Der Wanderweg führt durch das Areal der Sägerei Lüthi, wo man den Arbeitern beim Bearbeiten des Holzes zusehen kann. Was heisst da Arbeiter? An einem Kran hebelt eine Frau tonnenschwere Tannenstämme herum.

Der Weg führt weiter, immer dem Mühlebach entlang, bis hinauf durch den Wald bei Ruchwil. Ende Lobsigen trifft man auf eine Gruppe Rotwild, welche sich hinter der Umzäunung befindet und aufmerksam die Wanderer beäugt.

Vorbei beim Waldhaus zwischen Ruchwil und dem Baggwilgraben passiert man auch die Feuerstelle der "Schweizer Familie". Nun ist es nur noch ein kurzes Stück hinauf zum Chutzenturm. Wer will, kann hier die steile Abkürzung nehmen. Wer es gemütlicher angehen will, geht dem normalen, gut befestigten Waldweg entlang bis hinauf zum Chutzenturm.

Ein atemberaubender Rundblick bis hin zum Mont Blanc!

Oben angelangt wird man abermals belohnt. Der Rundblick vom Chutzenturm über das ganze Seeland, zu den Alpen oder hinab ins Solothurnische, sind einfach atemberaubend. Bei gutem Wetter kann man sogar den Mont Blanc sehen!

Die reine Wanderzeit beträgt rund 2 1/2 Stunden. Wer Pausen einlegt und sich auch etwas Zeit fürs Fotografieren oder das Bestaunen der schönen Pflanzen oder des Waldes nimmt, gelangt gut in 3 Stunden auf den Chutzenturm. Die begangene Strecke eignet sich auch, um sie mit dem Fahrrad oder Mountain-Bike zu absolvieren. Einzig bei der Pferdeweide im Mühletal müssen die Fahrradfahrer kurz zu Fuss gehen, weil dort ein Fahrverbot vorhanden ist. Biker können natürlich vom Wasserkraftwerk aus auch der Hauptstrasse ins Mühletal folgen.

Der Rückweg kann hinab durch den Baggwilgraben nach Seedorf oder via Lobsigen erfolgen. Ab Baggwilgraben oder Seedorf kann auch bequem mit dem Postauto nach Aarberg zurückgefahren werden (Abfahrt jeweils .06 ab Seedorf Friedhof).

Markus Nobs

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Dienstag, 5. Juli 2011

"Früher hatte ich einen Garten - heute hat er mich"


Ein farbiger Ausschnitt aus dem üppig blühenden Sommergarten von Heidi Schumacher. Auf dem oberen Bild: Borretsch (siehe Tipp). Bilder: Markus Nobs.
Der Sommerflor steht im Garten von Heidi Schumacher aus Aarberg im Juli in besonders schöner Blüte.

Es ist ein drückend heisser Sommertag. Das schmiedeiserne Tor unter dem Rosenbogen ist nur angelehnt und lädt zum Eintreten. Das Wasser im leise plätschernden Brünnlein erfrischt sowohl die Hand als auch den Geist. Die vier Treppenstufen hinauf zum Gartenplateau sind gesäumt von gelbem Johanniskraut, welches seinen Namen daher hat, weil es in der Zeit um den Johannistag, den 24. Juni also, aufblüht.

Ein gepflegter Garten mit einer Vielfalt an Sommerblühern erwartet den Besucher. Das Pflegen sei es auch, was sie seit vielen Jahrzehnten begleite, so Heidi Schumacher. Als gelernte Psychiatrie-Krankenschwester umsorgte sie während ihrer beruflichen Tätigkeit bedürftige Menschen. Kürzlich in den Ruhestand getreten, lässt sie ihre Pflege nun noch vermehrt den Blumen zugutekommen. Diese bedanken sich mit ihrem Aufblühen in einer aussergewöhnlichen Farbenvielfalt. Für Heidi Schumacher ist klar: "Ein Garten braucht Zeit, Zuwendung und Raum, um gedeihen zu können – wie der Mensch auch", lächelt sie.

Im Innern des Gartens dominiert die um ein Biotop herum angelegte Blumenrabatte. Allen voran das derzeit büschelweise in seinem schönsten Weiss dominierende Mutterkraut. Die Besitzerin weiss um den Genuss dieses Anblicks, ist er doch zeitlich begrenzt und gerade beim Mutterkraut "oft nach einem starken Regen komplett verschwunden", weiss Heidi Schumacher. Die weissen und orangefarbenen Engelstrompeten haben es ihr besonders angetan. Diese Pflanze verströmt ihren betörenden, nach Moschus riechenden Duft vor allem in den Abendstunden im ganzen Garten oder bei geöffneten Schiebefenstern auch in den Wintergarten hinein. Doch bei aller Schönheit: Für kleine Kinder ist diese giftige Pflanze nichts. Bei ihren eigenen, heute erwachsenen Kindern Franziska und Patrick habe sie schon darauf schauen müssen, dass sie damit "nicht ein Süppchen kochen", so Schumacher, welche mittlerweile zweifache Grossmutter ist.

Eigentlich liegt das Haus in einem ruhigen Quartier. Wären da nicht die Frösche. Rund fünfzehn an der Zahl, welche nicht zuletzt lautstark jeden Ueberflug eines Flugzeugs "melden". Eine ältere und eine jüngere Katze, welche unter einer mannshohen Hochstamm-Fuchsie am Herumtollen sind, lassen sich davon nicht ablenken. Im Gegenteil: Sie geniessen ihren grünen Spielplatz in vollen Zügen.

Heidi Schumachers Erholungsraum zieht sich bis in den Wintergarten, welchen ihr Mann Fritz vor 23 Jahren eigenhändig erbaut hat. Derzeit ziert ein regelrechter Vorhang aus Passiflora das Dachfenster. "So viele Früchte wie dieses Jahr, hat die Pflanze noch nie hervorgebracht", so Heidi Schumacher. Nebst Schönmalven und Hibisken rankt auch Hopfen am Gebälk empor. Im Frühling dient der Wintergarten als Treibhaus für die vielen Aussaaten. Ueberzählige Pflanzen und Setzlinge schenkt Heidi Schumacher gerne weiter und freut sich, wenn diese in den Gärten ihrer Tochter oder ihrer Freundinnen weitergedeihen.

Tipp: Heidis Pflanzen-"Medizin"

Dieser rein natürliche Sud riecht zwar übel, hat es aber in sich. Er bekämpft Blattläuse und Mehltau und kann auch als Düngemittel eingesetzt werden:

Brennnessel, Topinamburblätter, Ringelblumen und Borretsch (siehe Bild oben) in ca. 10 Liter Wasser geben.

Vier Tage ziehen lassen und damit die Pflanzen giessen oder besprühen.


Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 04.07.2011

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Donnerstag, 23. Juni 2011

Schlanker oder breiter abgestützt?

Das Aarberger Gemeindehaus am Stadtplatz: Werden hier bald fünf statt bislang sieben Gemeinderäte regieren? (Bild: Markus Nobs)

Der Gemeinderat von Aarberg will von den Ortsparteien erfahren, wie sie zu einer Reduktion des Gemeinderats von sieben auf fünf stehen. Soeben hat er sie zur Vernehmlassung eingeladen.

Bereits Mitte März lud der Gemeinderat die Ortsparteien zu einem runden Tisch, um das Thema zu lancieren. Unter der Leitung von Ueli Seewer, einem erfahrenen Berater für Gemeindeangelegenheiten, vergaben die anwesenden Vertreter der Ortsparteien Gewichtungspunkte zu den einzelnen Funktionen, welche eine Gemeinde zu erfüllen hat.

Interessanterweise kamen dabei vorab zwei Vertreter von Kleinparteien (EDU und BDP), welche im heutigen Gemeinderat nicht vertreten sind, zur Schlusstendenz einer Ratsreduktion. Interessant ist dies deshalb, weil bei einer 5er-Exekutive eine Partei einen Wähleranteil von 20 Prozent erreichen muss, um einen Sitz im Rat zu ergattern. Bislang waren es rund 14 Prozent, die dazu ausreichten. Klar ist: Je grösser der Gemeinderat, desto besser sind Minderheiten vertreten. Dieses Argument führt allen voran die SVP ins Feld, welche derzeit drei von sieben Sitzen innehat. Bereits im Herbst letzten Jahres war für die SVP-Präsidentin Petra Wyss klar: "Wir würden gerne an sieben Gemeinderäten festhalten". Sie begründete dies damit, dass das Volk sonst zu wenig breit vertreten sei und die Verwaltung zu viel Macht erhalte. Insbesondere der letzte Punkt wird in der Bevölkerung zu reden geben.

Verwaltungsreform durch die Hintertüre?
Der Souverän hat im November letzten Jahres die durch die Verwaltung aufgegleiste und durch FDP und SP unterstützte Verwaltungsreform mit 109 zu 69 Stimmen zu Fall gebracht. Es ist offensichtlich, dass sich FDP und SP nun mit der Vernehmlassung zu einer Reduktion der Exekutive ein "passendes" Resultat erhoffen, um dann abermals vor die Gemeindeversammlung zu treten. Sollten die Kleinparteien EDU und BDP an ihrer Tendenz aus dem Diskussionsabend festhalten, stünde einzig noch die SVP dem Vorhaben einer Ratsverkleinerung im Weg.

Auch Kommissionen würden verkleinert
"Bei einer Reduktion des Gemeinderats auf fünf Mitglieder erscheint es dem Gemeinderat klar, dass auch die Mitglieder der Kommissionen auf die gleiche Zahl reduziert werden müssten", so Gemeindepräsident Arnold Stalder im Schreiben an die Ortsparteien. Das könnte wiederum der SP nicht passen: In ihrer damaligen Stellungnahme zur Verwaltungsreform hielt die SP fest, dass bei einer Reduktion des Gemeinderates dies nicht automatisch auch für die Kommissionen gelten müsse. Diese sollten nach Meinung der Linkspartei nach wie vor sieben Mitglieder umfassen.

Die Eingaben der Ortsparteien werden auch aus einem weiteren Grund mit Spannung erwartet. Der Gemeinderat möchte nämlich auch, dass die Parteien sich zum heutigen Teilzeitamt des Gemeindepräsidiums äussern. Dieses beträgt derzeit 20 Stellenprozente. "Bei einer Reduktion des Gemeinderats müsste auch dieses Modell eventuell überdenkt werden", so Arnold Stalder im Einladungsschreiben an die Parteien.

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 21.06.2011

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Samstag, 14. Mai 2011

Parteien wollen "die Chance packen"

Mit Schokolade aus dem Dornröschenschlaf wecken: So wurde den Aarbergerinnen und Aarbergern ein Ja zur Zonenplanänderung Alte Ziegelei nahe gelegt. (Bild: Markus Nobs)

Seit ein paar Tagen wird mit für ein Ja zur Neuplanung und damit für ein Shopping-Center auf dem Ziegelei-Areal geworben. Die Aarberger Parteien sind überzeugt vom Vorhaben.

Es war so einiges, was da in den vergangenen Wochen in die Aarberger Haushalte flatterte und für ein Ja zum Einkaufszentrum im Alten Ziegelei-Areal warb: Einerseits war es das Informationsblatt "Aarberg aktuell", welches durch die Einwohnergemeinde herausgegeben wird. Andererseits fand ein modern gestalteter Flyer seinen Weg in die Briefkästen der Aarbergerinnen und Aarberger. Dieser wiederum sei jedoch "durch die Investoren lanciert und auch durch diese vollumfänglich finanziert" worden, versichert der Aarberger Finanzverwalter David Portner. Wer schliesslich im Coop seine Einkäufe tätigt, erhält seit kurzem eine Tafel Schokolade mit der deutlichen Botschaft in die Hand gedrückt: "Ja zur Planung Alte Ziegelei".

Wer möchte denn darauf verzichten?
Die Aarberger Parteien jedenfalls nicht: Sie sprechen sich in ihren Parolen zur kommenden Gemeindeversammlung einhellig für die Zonenplanänderung aus. Allen voran die SVP, deren Gemeinderat und Vize-Gemeindepräsident Fritz Affolter für das Bauwesen und dieses Dossier zuständig ist. In den vergangenen Wochen hat er viel Zeit dafür investiert, die Aarbergerinnen und Aarberger zu überzeugen, dass dieses Projekt eine Chance für die Gemeinde sei. Auch die SP, von welcher aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens, welches ein solches Einkaufszentrum mit sich bringen wird, am ehesten eine kritische Haltung erwartet wurde, ist überzeugt von der Empfehlung des Aarberger Gemeinderats. Was SP-Parteipräsidentin Myriam Lanz in ihrer Stellungnahme hervorhebt ist der Umstand, dass die Investoren beispielsweise den Arola-Kreisel vollumfänglich finanzieren würden. Verständlich: Immerhin handelt es sich da um Kosten von rund einer Million Franken, welche sonst die Gemeinde selbst berappen müsste.

Obgleich, auch die Aarbergerinnen und Aarberger kommen nicht ohne finanzielle Beteiligung über die Runde: Beispielsweise wird sie die Beteiligung an der baulichen Anbindung mittels einer Passerelle und eines Lifts an die Altstadt, welche durch das Aarberger Gewerbe gefordert wird, rund eine halbe Million Franken kosten. Nicht wenig, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung erst im letzten Jahr dem Neubau eines 9-Millionen-Projekts einer Mehrzweckhalle zugestimmt hat, welches allenfalls bereits eine Steuererhöhung zur Folge haben könnte.

Zurück zur SP: Diese hatte sich im Vorfeld erfolgreich dafür eingesetzt, dass der Wohnanteil im neuen Ziegelei-Areal dereinst mindestens 20 Prozent betragen muss. Eine Forderung, welche die FDP in ihrer damaligen Vernehmlassung nicht so festgelegt haben wollte. Für das Projekt selbst steht sie jedoch vollumfänglich ein, wie Parteipräsident Christoph Eigenmann bestätigt. Für Kurt Affolter von der EDU steht im Vordergrund, dass die Attraktivitätssteigerung für Aarberg klar gegeben sei und auch die neu geschaffenen Arbeitsplätze und zusätzliche Steuereinnahmen nicht vergessen werden dürften.


Unbestrittene Anpassungen
Die jetzige Phase der Ortsplanungsrevision beinhaltet auch Planänderungen zu zwei weiteren Zonen, welche einer sogenannten "Verdichtung nach innen" nachkommen sollen.

Im Gebiet der Zone mit Planungspflicht (ZPP) Arola soll eine qualitativ hochwertige Ueberbauung zwischen Arolakreuzung und Holzbrücke entstehen.

Auf dem Areal der ZPP Müller soll eine massvolle Verdichtung und Nutzungserweiterung wirksam werden.

Beide Geschäfte sind unbestritten und führten im Gegensatz zur ZPP Alte Ziegelei im Vorfeld kaum zu Diskussionen.

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 14.05.2011


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Donnerstag, 28. April 2011

Aarberg droht der Verkehrskollaps

Hier über die Arola-Kreuzung und die Dr. Carl-Moser-Strasse würde die Erschliessung des neuen Shopping-Centers im Ziegelei-Areal erfolgen. (Bild: Markus Nobs)

Ende Mai stimmt der Aarberger Souverän darüber ab, ob im Ziegelei-Areal ein Shopping-Center entstehen kann. Mit einem Ja zur Zonenplanänderung läuft Aarberg Gefahr, im Verkehrs-Chaos zu versinken.
„Es gibt deutlich mehr Verkehr, nur damit man sich da keine Illusionen macht“, ist sich Alt-Gemeindepräsident Hans-Rudolf Zosso sicher. Diese Aeusserung machte er anlässlich der Forums-Veranstaltung des Gemeinderats zur Alten Ziegelei, zu welcher nur die Parteipräsidien und eine Viererdelegation des Gewerbevereins, nicht jedoch die Oeffentlichkeit eingeladen waren. Doch in der Tat: Währenddem heute bereits 9‘000 Fahrzeuge pro Tag die Bahnhofstrasse passieren, hätte eine Lebensmittel-Verkaufsfläche von 3‘000 Quadratmetern im neuen Shopping-Center allein einen Verkehr von 3‘600 bis 4‘050 Fahrten ausgelöst. Hätte, denn jetzt wurde bekannt, dass die Verkaufsfläche beinahe doppelt so gross werden soll. Wie das? Der Mitwirkungsbericht zur Ortsplanungsrevision hält deutlich fest: „Verkaufsnutzungen verschärfen die bestehende Verkehrsbelastung erheblich“. Und: „Die Ansiedlung grösserer Flächen von verkehrsintensiven Nutzungen wird somit aus verkehrlichen Gründen (erheblicher Mehrverkehr, Parkierungs-flächen) als problematisch beurteilt“, so das Fazit aus dem Bericht. Aus diesem Grund hatte der Aarberger Gemeinderat noch Ende 2009 beschlossen, dass die künftige Verkaufsläche auf dem Areal der Alten Ziegelei auf 3‘000 Quadratmeter zu beschränken sei.

Beinahe Verdoppelung der Verkaufsfläche
Doch der Druck der Projektträgerschaft und der Investoren zwang den Gemeinderat dann offenbar in die Knie: Wie aus den jetzt für die Gemeindeversammlung von Ende Mai vorliegenden Aenderungen im Baureglement zu ersehen ist, soll im neuen Shopping-Center eine Verkaufsfläche von 5‘300 Quadratmetern entstehen, was beinahe einer Verdoppelung der anfänglich durch den Gemeinderat begrenzten Fläche entspricht. Damit liegt auf der Hand, dass die Verkehrsfrequenzen im heutigen Bahnhofgebiet immens in die Höhe schnellen werden. Pikant ist, dass an der nicht öffentlichen Forums-Veranstaltung des Gemeinderats die durch die Vergrösserung der Verkaufsfläche provozierte Verkehrszunahme im Gebiet der Bahnhofstrasse nicht als Problem kommuniziert wurde. Viel Zeit investiert wurde hingegen für die 17 Varianten einer Fussgänger-Anbindung des Stedtlis an das neue Shopping-Center. Hier handelt es sich um ein wichtiges Anliegen der Gewerbevertreter, von welchen bekannt ist, dass für sie viel Verkehr auch mehr Umsatz bedeutet. Unlängst hatte Apothekerin Christine Bourquin öffentlich verlauten lassen, dass sie am liebsten noch mehr als 6‘000 Fahrzeuge täglich im Stedtli sehen würde.

Im Stedtli wird zu schnell gefahren
Doch auch dort droht der Gemeinde weiteres Ungemach. „Der Kanton ist bei uns vorstellig geworden, wonach die Ueberschreitungswerte in der Begegnungszone im Stedtli zu hoch seien“, so Fritz Affolter, SVP-Gemeinderat und Vize-Gemeindpräsident anlässlich der Infoveranstaltung. Der Kreis-Oberingenieur habe nun eine „Deadline“ gesetzt, wonach entsprechende Massnahmen zur Temporeduktion ergriffen werden müssten.

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 30.04.2011

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