Für einmal stehen in Aarberg die Tempo-Zonen im Mittelpunkt (Bild: Markus Nobs).Die SP Aarberg wirft dem Gemeinderat vor, Tempo 30 nicht rasch genug einzuführen. Damit greift sie indirekt auch die eigenen Gemeinderäten an.
„Es ist schon fast beschämend zu sehen, dass fast jede noch so kleine Gemeinde im Seeland Massnahmen zur Verkehrssicherheit eingerichtet hat“. Und: In Aarberg sei hingegen „bis anhin nichts passiert“, so SP-Präsidentin Myriam Lanz im ruppigen Schreiben, welches die Partei soeben dem Gemeinderat zugestellt hat. Laut Lanz hätten bereits im Herbst 2011 die ersten verkehrstechnischen Veränderungen stattfinden sollen. „In erster Linie die Einrichtung der 30er-Zonen“ in mehreren Quartieren, hält sie fest. Auch betreffend der Stedtlidurchfahrt seien Massnahmen besprochen und versprochen worden, so die Präsidentin der Linkspartei.
Gewerbe lief sturm
Was das Stedtli betrifft, sind griffige Verkehrsmassnahmen in der Tat seit längerer Zeit hängig. Auch der Kanton hatte die Gemeinde bereits gerügt, wonach die Geschwindigkeiten in der Begegnungszone des Stedtlis nicht eingehalten würden und entsprechende Massnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion getroffen werden müssten. Durch den Gemeinderat vorgeschlagene Massnahmen, wie etwa eine Barriere in der Mitte des Stadtplatzes, welche eine Durchfahrt unterbinden sollte, wurden durch die Laden- und Restaurant-Besitzer mit grosser Opposition bekämpft (das BT berichtete). Seither wurden zwar weitere Massnahmen angekündigt, jedoch noch nichts davon umgesetzt.
Antwort in Aussicht
„Wir haben das Schreiben der SP gerade erst erhalten“, so Gemeinderat Urs Zbinden. Es sei an den Gesamtgemeinderat gerichtet und dieser werde der SP in nächster Zeit eine Antwort zukommen lassen, hält der Ressortvorsteher Tiefbau fest. Zu dieser Zeit werde dies dann auch der Oeffentlichkeit kommuniziert. Nur verständlich, dass Zbinden nicht will, dass die anfragende Partei die Antwort zuvor aus den Medien erfährt. Klar ist indes aber auch, dass in Bezug auf die Tempo-30-Zonen seitens der Gemeinde bereits mehrere Schritte in die Wege geleitet wurden. So konnten die Aarbergerinnen und Aarberger in den letzten Monaten feststellen, dass die vorgeschriebenen Baupublikationen für mehrere Tempo-30-Zonen im Amtsanzeiger ausgeschrieben worden waren. Ebenfalls wurden die Bewohner mehrerer Quartiere in Vernehmlassungen einbezogen. Pikant ist, dass im Gemeinderat auch zwei SP-Vertreter Einsitz haben. Die Frage ist nun, ob die Kommunikation innerhalb der Partei nicht zufriedenstellend läuft oder ob mit dem Gang an die Oeffentlichkeit zusätzlicher Druck aufgebaut werden soll. Fortsetzung folgt.
Zonen mit Tempo-Reduktion
• Tempo 30: Geplant sind Zonen in den Quartieren Leimern, Aarezelg, Spins, Mühlau, Blüemlismatt und Dammweg.
• Tempo 20: Eine sogenannte Begegnungszone ist im Stedtli bereits realisiert.
• Hier fehlen laut Kanton jedoch noch griffige, verkehrstechnische Massnahmen, um Tempo 20 sowie den Fussgänger-Vortritt einhalten zu können.
Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 18.11.2011