Andreas Muhmenthaler am Cello und Sänger Toni Kunz (Vater von Fernsehfrau Susanne Kunz) präsentierten den Erstlings-Roman im Welt- und Buchladen Aarberg (Bild: Markus Nobs).
Der Lehrer und Musiker Andreas Muhmenthaler hat soeben eine Hommage an Aarberg veröffentlicht. Darin findet sich auch eine gehörige Portion Gesellschaftskritik.
Es scheint, dass auch die Seeländerinnen und Seeländer ihren Franz Hohler gefunden haben. Sowohl im Auftritt mit Cello, als auch in Bezug auf den Inhalt seiner Texte, welche zum Nachdenken anregen und in weiten Teilen keineswegs mit Kritik an der heutigen Lebensweise unserer Gesellschaft sparen. Am Donnerstagabend fand im Aarberger Welt- und Buchladen die Vernissage statt. Wer das Buch bis zu Ende liest, fühlt sich von der Vielzahl gutmenschlicher Aussagen, welche sich im Werk wiederfinden, fast ein wenig missioniert.
Mitfühlender Stammtisch
Eines gleich vorneweg: Die Hauptrolle spielt nicht etwa eine Person, sondern vielmehr ein Stück Mobiliar. Es ist der Stammtisch des Hotels Krone. Bevor dieser jedoch zum Stammtisch wurde, befand er sich als Teil einer uralten Eiche auf einer kleinen Anhöhe oberhalb des Grafenstädtchens und konnte bereits dort alles wahrnehmen, was in seiner Umgebung abging. Der Roman wechselt abermals aus der Zeit des alten Aarbergs hinein ins Stedtli-Leben von heute. Und auch in seiner Eigenschaft als Stammtisch hat das Stück Eiche seine ausgeprägten Fähigkeiten, denken, hören und sogar fühlen zu können, mitnichten eingebüsst. Wie so oft im Leben geht es auch in Muhmenthalers Geschichte um eine Liebesbeziehung, welche nicht sein durfte. Die wohlbehütete Tochter eines gut situierten und einflussreichen Aarberger Burgers verliebte sich zu Kriegszeiten in einen polnischen Internierten. Diese Romanze nimmt schliesslich - wie erwartet in unmittelbarer Nähe der stämmigen Eiche - einen dramatischen Verlauf.
Zwischenmenschliche Eiszeit
Bei ihren Sprüngen ins Aarberg von heute setzt die Geschichte ihren eingeschlagenen Weg unbeirrt fort: Sie will die Welt verbessern. Erstlings-Autor Muhmenthaler streitet nicht ab, dass es seine Ueberzeugungen und seine Haltung sind, welche durch den Stammtisch oder die verschiedene Rollen, die in der Geschichte vorkommen, zu den Leserinnen und Lesern sprechen. Im Gegenteil: „Derzeit bin ich daran, ein Musical zu schreiben“, welches im Herbst nächsten Jahres im Aarberger „Ringmuur“-Keller uraufgeführt werden soll und den zunehmenden „Zerfall der Familien“ zum Inhalt habe, so der Autor. Zusammen mit seinem Freund und Sänger Toni Kunz führte Muhmenthaler die anwesenden Gäste auch an der Buchpremiere durch seine Empfindungswelt, welche mit der heutigen Konsumgesellschaft und der „drohenden zwischenmenschlichen Eiszeit“ hart ins Gericht ging.
Markus Nobs
Tipp: Das Buch kann im Welt- und Buchladen im Stedtli Aarberg gekauft werden.
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