Samstag, 7. Januar 2012

Aarberger Kino steht zum Verkauf

Das Kino Royal in Aarberg: Droht ihm das baldige aus? (Foto: zvg)

Während drinnen im Kino die letzten Minuten des "Verdingbub" laufen, fällt wohl bald der letzte Vorhang für das geschichtsträchtige Aarberger Kino Royal. Die Liegenschaft steht zum Verkauf.

Interessierte müssten für das Wohn- und Geschäftsgebäude an der Murtenstrasse 890'000 Franken aufbringen. Unklar ist derzeit, was nach einem Besitzerwechsel mit dem 130-plätzigen Kino und dem Coiffeursalon im Erdgeschoss geschehen würde. Das Haus wurde im Jahre 1954 erbaut und vor sechs Jahren renoviert.

Bereits im April dieses Jahres berichtete das Schweizer Fernsehen über das drohende Aus für Klein-Kinos in der Schweiz. Der Grund: Die Digitalisierung in der Filmwelt. Immer mehr Filme kommen mit höherer Auflösung, schärferen Bildern und 3-D-Animationen in die Kinos. Um diese Streifen vorführen zu können, müssten die Kino-Betreiber für teures Geld neue Projektoren beschaffen. "Für viele Klein-Kinos bedeutet dies das Aus", so das Schweizer Fernsehen in seiner damaligen Reportage.

Darin zitiert wurde auch der Besitzer des Aarberger Kinos, Walter Loosli. Ohne Fremde Hilfe könne er sein Kino nicht digitalisieren, hiess es damals. Ein moderner, digitaler Projektor koste zwischen 100'000 und 150'000 Franken. Diese Summe entspreche etwa dem Jahresumsatz eines durchschnittlichen Schweizer Kinos, so die Aussage im damaligen Bericht.

Besonders schwierig sei die neue Situation für kleine Kinos wie diejenigen in Aarberg oder Burgdorf, welche vor allem "Mainistream-Filme" zeigen würden. Diese Kinos stehen im Schatten der grossen Kinoketten der nahe gelegenen Bundeshauptstadt. In der Tat: Das Westside ist 20 Fahrminuten entfernt und hat mit seinen topmodern eingerichteten Kinos der Pathé-Kette immer die neuesten Filme im Angebot - und das in neuester Qualität versteht sich.

Noch im April dieses Jahres äusserte sich der Aarberger Kino-Besitzer Walter Loosli gegenüber dem Schweizer Fernsehen wie folgt: «Wenn wir bis in anderthalb Jahren nicht umrüsten können, gibt es eine böse Zeit».

Nun scheint der Film "Die böse Zeit" bereits anzulaufen. Schade für Aarberg: Ein Happy-End ist nicht in Sicht.

Markus Nobs
Aarberger.ch


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