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Gemeinderäte sollen mehr verdienen

Das Aarberger Rathaus: Hier hält der Gemeinderat seine Sitzungen ab. Ob dessen Mitglieder ab 2013 mehr verdienen, wird der Souverän im Dezember entscheiden (Bild: mna).
Die abtretenden Aarberger Gemeinderäte fordern für ihre Nachfolger eine höhere Entschädigung ab nächstem Jahr. Auch in anderen Seeländer Gemeinden werden die Löhne überprüft.
mna. „Ohne Reduktion meines Beschäftigungsgrades auf 70 Prozent in meinem angestammten Beruf als Sekundarlehrer hätte ich dies nicht bewältigen können“, erläutert der heutige Vize-Gemeindepräsident Fritz Affolter sein Engagement für die Gemeinde. Tatsächlich: Seine Einsätze für die Gemeinde haben sich seit dem Jahr 2004 verdoppelt. Für die Zunahme der Belastung im Gegensatz zu früher führt Affolter gleich mehrere Gründe ins Feld: Der Gemeinderat habe in den letzten Jahren konsequent die Strategie verfolgt, auch in regionalen Gremien vertreten zu sein. „Dies macht auch Sinn“, präzisiert Affolter, denn: „Haben doch die meisten Beschlüsse in diesen Gremien finanzielle Konsequenzen für die Gemeinde Aarberg. Das Mitwirken bei Verhandlungen mit kantonalen Stellen oder dem Regionalplanungsverband Seeland-Biel/Bienne seien weitere Beispiele, weshalb die Regierung heute stärker belastet sei. Und schliesslich: „Das Vertrauen in einen gewählten Gemeinderat ist grösser als in die Verwaltung“, ist der SVP-Kandidat für das Gemeindepräsidium überzeugt. Denn oft müsse der Gemeinderat vermittelnd oder erklärend zwischen der Verwaltung und dem Bürger wirken. „Ich persönlich habe mit zunehmender Amtserfahrung immer öfter die Rolle des Mediators oder des Coachs inne“, so Affolter.
Mehraufwand schlägt zu Buche
Um welche Beträge geht es konkret? Nebst der eigentlichen Entschädigung erhalten die Gemeinderäte eine Spesenpauschale sowie Sitzungsgelder. Gemeindepräsident Arnold Stalder erhält heute einen Lohn von 23‘000 Franken, sein Vize Fritz Affolter sowie die übrigen Ratsmitglieder 5‘800 Franken. Neu soll der Gemeindepräsident bis maximal 35‘0000 Franken erhalten, dessen Vize rund 20‘000 sowie die Ratsmitglieder eine Vergütung in der Höhe von maximal 14‘000 Franken. Die exakte Einreihung in den Gehaltsstufen sei noch nicht erfolgt, so Gemeindeschreiber Beat Soltermann. In Stellenprozenten werde für das Amt des Gemeindepräsidenten jedoch von 25 (bisher 20), für den Vize-Gemeindepräsidenten von 15 sowie für die übrigen Ratsmitglieder von 10 Stellenprozenten ausgegangen, so Soltermann. Sowohl die SP, als auch die SVP haben sich bereits positiv zu einer Erhöhung geäussert, da die heute gültigen Ansätze bereits im Jahr 2004 in Kraft gesetzt wurden und eine Anpassung aufgrund der Belastungs-Zunahme überfällig sei. Ueber die Anpassung entschieden wird schliesslich an der Gemeindeversammlung vom kommenden Dezember.
Blick ins Seeland
Wie sieht die Situation in anderen Seeländer Gemeinden aus? „Bei uns werden die Ansätze immer im Jahr vor dem Legislaturwechsel neu überprüft“, informiert Bürens Gemeindeschreiber Marco Reber. Der Gemeindepräsident erhält dort 18‘000 Franken jährlich, der Vize 6‘000 und die übrigen Ratsmitglieder 5‘000 Franken. In Nidau erhält der Stadtpräsident 44‘000 Franken, die Mitglieder des Gemeinderats 22‘000 Franken. Schüpfens Gemeindepräsident verdient heute 24‘000 Franken, sein Vize 11‘000, die übrigen Ratsmitglieder 9‘000 Franken. In Ins sind es 19‘805 Franken für den Gemeindepräsidenten, dies jedoch inklusive Taggeldern. Ins‘ Vize erhält 4‘195, die Mitglieder bescheidene 2‘045 Franken. Immerhin zählt Ins über 3300 Einwohnerinnen und Einwohner. Laut Daniela Fink, Gemeindeschreiber-Stellvertreterin in Twann-Tüscherz will man dort an der bevorstehenden Gemeindeversammlung vom 18. Juni dieses Jahres dem Souverän eine auf Anfang Jahr rückwirkende Erhöhung der Entschädigungen von 12‘000 auf 15‘000 Franken für den Gemeindepräsidenten sowie von 4‘000 auf 8‘000 Franken für den Vize beantragen. Die Ratsmitglieder sollen neu 6‘000 anstelle bislang 2‘000 Franken entschädigt erhalten. Auch hier sei der Grund die steigende Arbeitsbelastung, nicht zuletzt durch die Fusion zwischen Twann und Tüscherz-Alfermée. Die heutige Gemeinde Twann-Tüscherz zählt etwas über 1100 Einwohnerinnen und Einwohner.

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