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Auch vor Aarfit-Abstimmung wurde einseitig informiert

Im Zusammenhang mit der kürzlichen Berichterstattung im Bieler Tagblatt und in der Berner Zeitung, wonach vor der Abstimmung zur Zonenplanänderung Alte Ziegelei die Aarbergerinnen und Aarberger durch die Investoren mit Manipulationsmethoden beeinflusst wurden, kam auch zu Tage, dass bereits vor zwei Jahren im unmittelbaren Vorfeld zur Aarfit-Mehrzweckhallen-Abstimmung durch den Aarberger Gemeinderat im offiziellen Informationsblatt lediglich einseitig informiert wurde.
In der damaligen November-Ausgabe des offiziellen Informationsbulletins der Gemeinde Aarberg namens "Aarberg aktuell", welche kurz vor der Urnenabstimmung in alle Haushalte verteilt wurde, kamen auf einer Doppelseite ausschliesslich befürwortende Stimmen zu Wort. Dies obwohl zum damaligen Zeitpunkt bekannt war, dass sich in der Oeffentlichkeit auch Gegener des Projekts kund taten. So hatte beispielsweise eine Gruppe um den ehemaligen Aarberger Gemeinderat Hans Pfäffli ein Flugblatt verteilen lassen, worin über die unverhältnismässige, finanzielle Belastung die Rede war, welche auf die Gemeinde bei einer Annahme des Projekts zukommen würde.
Aarfit-Mehrzweckhalle: Beerdigt, bevor gebaut?
Renato Anneler vom Lokalfernsehen Lyss und Umgebung hat diese Woche berichtet, dass das Projekt der Mehrzweckhalle Aarfit ins Schwanken gerate. Nebst der zusätzlichen Mehrbelastung für die Altlasten-Sanierung von rund 1.65 Millionen Franken stünden auch mehrere Kulturvereine nicht mehr hinter dem Hallenbau. Die Gesamtkosten inklusive Altlasten-Sanierung würden sich neu auf rund 10.55 Millionen Franken belaufen. Peter Stricker vom Popchor Aarberg beispielsweise könne mit dem geplanten Bau nichts anfangen. Der Popchor würde dereinst in der Halle keine Konzerte abhalten können, weil diese nicht ihrem Zweck entsprechen würden. Auch Gerhard Rubin von der Musikgesellschaft Aarberg sei nicht davon überzeugt, eine kulturfähige Halle zu erhalten. Selbst bei den Sportvereinen sei das Interesse gesunken, so Rubin gegenüber dem Lokalfernsehen. Beat Kramer äussert sich gegenüber dem Loly, dass auf die Bedürfnisse des Schützenchörli kaum eingegangen worden sei. Insbesondere die geplante Küche entspräche nicht den Bedürfnissen. Demgegenüber hatte sich gegenüber Renato Anneler auch Garagist Urs Weibel verlauten lassen: Er halte am Projekt fest und sei überzeugt, dass es die Halle brauche.
Selbstredend, dass mögliche Hallen-Gegner aufgrund der zusätzlichen finanziellen Belastung und der verschiedenen Gegenstimmen aus den Vereinen im Vorfeld der nochmaligen Urnen-Abstimmung vom kommenden 25. November ihre Chance wittern und allenfalls auf breiter Front gegen das Gesamtprojekt opponieren werden. Ebenfalls werden sich andere Vereinsvertreter, teilweise wohl von den Sportvereinen sowie Vertreter des Aarberger Gewerbes in den kommenden Wochen ins Zeug legen, um erneut ein aus ihrer Sicht positives Abstimmungsergebnis erreichen zu können. Ginge doch dem Aarberger Gewerbe, insbesondere dem Baugewerbe ein Riesenauftrag durch die Lappen, sollte es Ende November zu einem Nein kommen.
Interessant wird sein, ob der Aarberger Gemeinderat auch diesmal versuchen wird, über das offizielle Informationsbulletin "Aarberg aktuell", welches vollumfänglich durch Steuergelder finanziert wird, den Abstimmungskampf einseitig zu beeinflussen. Dies würde jedenfalls aufgrund des Vorgehens bei den beiden wichtigen Abstimmungen in der Vergangenheit nicht überraschen. Ungehörig und wohl auch unlauter wäre es dennoch.
Aarberg steht nebst den bevorstehenden Wahlen zweifellos ein heisser Herbst bevor.
Redaktion Aarberger
Markus Nobs
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