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Eine Million Defizit gutgeheissen

Aarberg veranschlagt für das kommende Jahr einen Verlust von einer Million Franken. Dieser soll durch Eigenkapital gedeckt werden.
Die 104 Aarbergerinnen und Aarberger, welche etwas über drei Prozent der Stimmberechtigten ausmachten, zeigten sich an der Gemeindeversammlung von Donnerstagabend im Krone-Saal in Spendierlaune. Nicht nur, dass den Gemeinderäten die Löhne um das Anderthalb- bis Dreifache angehoben wurden (das BT berichtete am Vortag); sie sprachen auch einen Nachkredit für eine Budgetüberschreitung von knapp 49'000 Franken für die Sanierung der Heizung an der Sekundarschule. Pikant erschienen an diesem Nachkredit nicht etwa die Gründe, welche zu den Mehrausgaben führten, sondern vielmehr das etwas unsensible Vorgehen des Gemeinderats im Vorfeld.
Zur Geschichte: Die Regierung hatte für die Sanierung einen Kredit von 225'000 Franken in Eigenregie gesprochen. Das durfte er, reicht doch seine Finanzkompetenz bis zur Grenze von 250'000 Franken. Das Problem ist aber, dass sich die effektiven Kosten nun auf knapp 274'000 Franken beliefen, was einer Ueberschreitung von 21,7 Prozent entspricht. Fakt ist: Der Gesamtkredit hätte also bereits im Vorfeld der Gemeindeversammlung zur Kostengutsprache unterbreitet werden müssen. "Es ist ein unerfreuliches Geschäft, welches uns auch im Gemeinderat beschäftigt hat", so der neu gewählte Gemeindepräsident Fritz Affolter (SVP) zum Souverän. Und: "Es ist uns nicht recht, dass das so passiert ist". In Zukunft werde der Gemeinderat "besser zur Sache schauen" versprach Affolter, welcher bislang für das Ressort Hochbau zuständig war.
"Das Geld ist leider schon ausgegeben", stellte Gemeindepräsident Arnold Stalder (FDP) ergänzend fest. So blieb den Aarbergerinnen und Aarbergern eigentlich keine andere Wahl, als der Abrechnung und dem Nachkredit zähneknirschend zuzustimmen. Niemand im Saal wollte dem Gemeinderat eine Rüge erteilen. Dies vielleicht nicht zuletzt aufgrund der Einsicht, welche die Regierung an den Tag gelegt hatte und wohl auch wegen der Vielzahl an Begründungen, welche der Gemeindeversammlung offenbar als plausibel erschienen. Gleich mehrere Faktoren wurden ins Feld geführt, wie beispielsweise die Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften, der Zeitdruck aufgrund des bevorstehenden Winters oder die seit der Budgetierung offenbar eingetretene Verteuerung der Heizanlage selbst.
Doch die Ausgabenpolitik des Souveräns schrieb am Versammlungsabend noch ein weiteres Kapitel: Die Gemeindeversammlung genehmigte den Voranschlag 2013 mit einem budgetierten Verlust von 0,98 Millionen Franken. "Das Defizit wird über das vorhande-ne Eigenkapital ausgeglichen", informierte Finanzverwalter David Portner. Arnold Stalder ergänzte, dass Aarberg "in den vergangenen sieben Jahren sehr positive Rechnungsergebnisse" erzielen konnte. "Ich bin froh, sind wir nicht in Büren, denn dort wurde das Budget zurückgewiesen", so Stalder erleichtert.
Nach sechzehn Jahren in der Regierung konnte er seine letzte Gemeindeversammlung erfolgreich zu Ende bringen. Zum neuen Vizepräsidenten ab nächster Legislatur wurde Samuel Gauler (SP) gewählt.
Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 15.12.12
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