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Mit der Kamera das Leben einfangen


Seine beiden Berufe könnten gegensätzlicher nicht sein. Jeweils am Freitag tauscht der Aarberger Werkhof-Mitarbeiter Stephan Hartmann die Kehrichtschaufel mit der Fotokamera.
mna. Er ist Handwerker und Künstler zugleich: Als Stellvertreter des Werkhof-Chefs kümmert sich der gelernte Landschaftsgärtner Stephan Hartmann beispielsweise um die Grünanlagen der Gemeinde Aarberg, stellt Strassensignale bei Grossanlässen auf und leert auch mal die Robidog-Kästen. Er ist sich keiner Arbeit zu schade, wenn es um das Wohl der Gemeinde geht. „Die Arbeit unter den Leuten auf der Strasse gibt mir die Inspiration fürs Künstlerische“, ist Hartmann überzeugt. So kennt man ihn im Stedtli: Offen, freundlich und mit einer positiven Einstellung, welche er meist mit einem Lachen auf seinem Gesicht zum Ausdruck bringt. Hartmann gehört in Aarberg zum Strassenbild und (fast) jeder kennt ihn. Seit kurzem fährt er nicht nur mehr mit dem orangen Kommunal-Fahrzeug, sondern auch mit dem „Geschäftswagen“ seines Fotogeschäfts, einem feuerwehrroten Kleinlieferwagen mit 500 Kubikzentimeter-Motor durchs Stedtli; zweifellos einem perfekten Werbeträger. Wem der Wagen nicht aufgrund der Form auffalle, dann „bestimmt wegen des Lärms“, welcher das Fahrzeug von sich gebe, schmunzelt Hartmann.

Er selbst ist eher ein Mann der leisen Töne. Bescheiden und wohlüberlegt in seiner Art spricht Hartmann auch über seine Leidenschaft, welche er mittlerweile zu einem zweiten Standbein gemacht hat: Dem Fotografieren. Sei es im eigenen Studio, draussen in der freien Natur oder in einer Werkstatt, wo er die Arbeiter bei ihrer Tätigkeit für eine Werbebroschüre ins richtige Licht setzt. „Als 11-Jähriger habe ich von meinem Götti die erste Spiegelreflex-Kamera geschenkt erhalten“, erinnert sich Hartmann gerne zurück. Seitdem lässt ihn das „Einfangen des Lebens“ nicht mehr los. Auch wenn sich in der Zwischenzeit mit dem Schritt ins digitale Zeitalter einiges verändert habe.

Nicht nur fototechnisch, auch gesellschaftlich sei es nicht mehr wie früher: Seit den elf Jahren, in welchen Hartmann für die Gemeinde arbeite, müsse er als einzigen negativen Aspekt die Rücksichtslosigkeit einiger, meist junger Leute aus Aarberg und Umgebung im Umgang mit dem achtlosen Wegwerfen von Abfall nennen. Hartmann: „Es ist kaum vorstellbar, wie stark das Littering in den letzten Jahren zugenommen hat“. Auch das „in Mode gekommene Kampftrinken und Kampfkiffen unter Jugendlichen bis weit in die Nacht hinein“ könne er überhaupt nicht verstehen, so der besorgte Gemeinde-Angestellte. Diesen Sommer sei das Problem beispielsweise unter der Holzbrücke oder im Verkehrsgarten latent vorhanden. Manchmal komme es gar vor, dass Holzzäune demontiert würden, um damit ein Feuer zu machen, nervt sich Hartmann. Abgesehen davon gefalle ihm die Arbeit im Werkhof wirklich „sehr, sehr gut“ und er möchte sie und die vielen schönen Kontakte mit der Bevölkerung keinesfalls missen.
Zu seinen Hobbies zählt Hartmann seine Funktion als Materialwart bei der Feuerwehr, welcher er seit rund zwanzig Jahren angehört. Jeweils von Sommer bis im Januar probt er zwei Mal wöchentlich mit der Theatergruppe Bargen ein neues Stück ein. Dabei ist es seine Frau Andrea, welche Regie führt und ihn und die Mitschauspieler richtig in Szene setzt.
Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 07.09.2010

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