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Sogar der Tod ist doppelt besetzt

Eine Truppe voller Energie: Die Aarberger Bühne vor der Premiere zu ihrem Stück „Lüüge, Tod und Tüüfel“ (Bild: Thomas Hadorn, Aarberger Bühne).

 

Die Aarberger Bühne ist soeben erfolgreich in ihre Theatersaison gestartet. Alle Vorstellungen sind restlos ausgebucht.

 

Einen solchen Tod wünscht man sich. Zweifellos. Er tritt in zierlicher Frauengestalt auf, hat eine angenehme Stimme und zeigt sich äusserst rücksichtsvoll im Auftreten: Auf der Spitze seiner Sense steckt ein Korkzapfen, damit er beim Hantieren mit dem Gerät ja niemanden verletzt. Gut, eines muss man vielleicht noch erwähnen: „Es ist der dümmste Tod, den wir jemals hatten“ beklagt sich Claudia Reinelt Gmür, welche als Frau gewordene Gestalt den Erzengel Gabriel spielt. Damit meint sie natürlich nicht ihre Schauspiel-Kollegin Barbara Küffer, sondern eben den noch sehr unerfahrenen Tod, welchen sie auf der Bühne verkörpert. Und ja: Wir sprechen hier lediglich von Tod Nummer eins. Denn Tod Nummer zwei, also die Doppelbesetzung, hatte an der Premiere von Donnerstagabend noch gar keinen Auftritt. Dazu käme es erst, wenn der erste Tod krank würde oder sonst wie verhindert wäre. Wer jetzt denkt, dass es bei diesem Stück unendlich traurig zugehen muss, täuscht sich – sagen wir einmal tödlich. Das Gegenteil ist der Fall: Die klugen Wortspielereien und die verzwickten Beziehungsgeschichten, welche sich innerhalb der Unternehmer-Familie Fischer abspielen, führen beim Publikum zu Lachern und manchmal auch zu „Schmunzlern, die von innen kommen“, wie es Regisseur Silvio Gmür ausdrückt. „Denn das sind eigentlich die besten“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern dem Saalpublikum. Gmür, welcher nach mehrjähriger Schauspiel-Tätigkeit bei der Aarberger Bühne dieses Jahr sein Regiedebüt gibt, fühlt sich sichtlich wohl in seiner Aufgabe. „Wir sind ein Team, aber die Hierarchie ist klar“, so Gmür. „Im Vorfeld habe ich mit jedem der Schauspieler in einem Einzelgespräch die Rolle besprochen“. Das hat offenbar Früchte getragen, denn sogar am ersten Abend ist kaum ein Aussetzer, kaum ein Versprecher zu hören. „Ja, wir haben uns gut vorbereitet“, ist Heinz Arn, der Präsident der Aarberger Bühne überzeugt. „Es macht Freude und jeder gibt sein Herzblut hinein, aber es bedeutet auch einen riesigen Aufwand“, weiss Arn. „Im September beginnen die ersten Proben, in der Regel treffen wir uns zwei Mal die Woche und nebst einem Proben-Wochenende vereinzelt auch an Samstagvormittagen“. Immerhin ein Einsatz, der sich zu lohnen scheint. Arn: „Alle 25 Vorstellungen in den nächsten sechs Wochen sind restlos ausgebucht“. Von einem solchen Erfolg können renommierte Theater oft nur träumen. „Und das geht schon seit Jahren so“, ergänzt Hans Käser, welcher seine Rolle einmal mehr bravourös spielt, diesmal als Max Fischer senior. All jene, die eines der begehrten Tickets ergattern konnten, dürfen sich auf den Theaterbesuch freuen. Auch auf den Tod. 

 

Artikel von Markus Nobs, Bieler Tagblatt

 

 

 

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