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"Es brucht chly Aloufzyt"

Diese drei Standbetreiber am neuen Aarberger Wochenmarkt strahlen trotz Regenwetter: Claudia Nobs (rechts) sowie Franco und Sandra Solca (Foto: Markus Nobs).

 

Aarberg hat neu auch einen Wochenmarkt. Dieser soll vor allem das Stedtli beleben und findet künftig von Frühjahr bis Herbst jeweils am Samstagvormittag statt.       

„Mein Sohn hilft mir auch, er sitzt wegen dem Wetter aber noch etwas im Auto", tönt es hinter dem Marktstand von Sandra Solca hervor. Es regnet und dazu weht eine leichte Bise. Schlimmer könnte es die Marktfahrer also kaum treffen. „Itz chöit dir de grad probiere", strahlt Solca trotz allem. Sie ist gerade dabei, ein geräuchertes Felchenfilet vom Bielersee auf einer Platte anzurichten, damit die Marktbesucher davon probieren können. Tatsächlich, der Fisch mundet wunderbar, sogar frühmorgens. Mittlerweile steht auch der 16-jährige Franco mit umgebundener Schürze neben seiner Mutter, um ihr zur Hand zu gehen. „Für uns ist es eine Premiere, dass wir einen Markt besuchen und wir wissen auch nicht recht, was uns erwartet", so die Mitinhaberin des Fischereibetriebs aus Gerolfingen. Nebst Bio-Forellen aus dem Blausee können an ihrem Stand Wels-, Egli- oder Rotaugen-Filets aus dem Bielersee gekauft werden. Am Stand nebenan werden selbst hergestellte Dekorationen und Geschenke angeboten. Claudia Nobs aus Aarberg strahlt, wie wenn die Sonne scheinen würde. „Grundsätzlich wollen wir einen Frischmarkt veranstalten", sagt Andrea Fahrni, die Leiterin der Arbeitsgruppe, welche im Auftrag von Aarberg Tourismus den neuen Wochenmarkt ins Leben gerufen hat und den Stand mit Dekorationen aber eine gute Ergänzung findet. Mit dem neuen „Märit" wolle man im Stedtli eine Situation schaffen, die die Kunden auch zum Lädelen in den Geschäften animiere, so Fahrni.

 

Frischfleisch, das „am Knochen gereift und deshalb sehr zart und aromatisch im Geschmack ist" bewirbt Karin Andres vom Hasensprung-Hof in Bargen. „Seit fünf Jahren bin ich bereits am Monatsmarkt in Aarberg". Man sieht rasch, dass ihr das missliche Wetter nicht viel anhaben kann. „Ich bin eine waschechte Bäuerin", lacht Andres, welche ihres Sortiments wegen „eher die Wärme nicht so gerne hat". „Eine gute Sache" findet auch Dominik Eggli aus Bargen den neuen Wochenmarkt. Sein Gemüse und seine Früchte bietet er tagtäglich irgendwo im Seeland zum Verkauf an: „Wir sind jeweils in Lyss, Busswil, Detligen, Radelfingen und auch in Selzach vertreten". Wer feenhafte Akalei, schöne Tulpenbouquets oder gar Meierisli im Glas sucht, wird bei Dora Küng aus Lobsigen fündig. Sie bietet zusammen mit Sonja Gfeller aus Radelfingen Feld- und Wiesenblumen an. „Einfach, was grad Saison hat", so Küng. Zusammen mit einer Begleiterin begutachtet derweil gerade Susanne Brunner aus Aarberg den neuen „Samschtig-Märit": „Ich weiss nicht, ob sie mit dem Markt Chancen haben, aber ich hoffe es sehr". Natürlich brauche es „halt chly Aaloufzyt". Das war bereits vor vielen Jahrhunderten so: Aarberg war seit jeher ein Marktort, wie alte Fotos und Dokumente belegen. Die ersten Jahrmärkte sind im Jahr 1507 urkundlich festgehalten. Im Jahr 1686 bewarben sich die Aarberger erstmals beim Kanton um einen Wochenmarkt. Wie im 84-jährigen Buch von Felix Hunger zur Geschichte der Stadt Aarberg nachzulesen ist, „wurde damals nichts daraus". Denn: „Wie es scheint, weil keine genügende Frequenz zu erwarten war", so das historische Dokument. Bleibt zu hoffen, dass dies dem neuen Aarberger Wochenmarkt nicht widerfahren wird. Den Marktfahrern Anno 2014 jedenfalls wäre es zu gönnen.

 

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 6.2.2014.

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