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"Hinter jedem KMU steht eine Identifikationsfigur"

80 Gewerbebetriebe aus Aarberg und Umgebung haben am Wochenende 10'000 Besucherinnen und Besucher an der «Aargwärb» 2014 empfangen. Der Samstag stand im Zeichen der Berufslehre.

Es ist schwül an diesem Freitagnachmittag im Festzelt, als Nationalrat Christian Wasserfallen (FDP) die Bühne betritt, um die Aarberger Gewerbeausstellung offiziell zu eröffnen. Manch einer hat den «Tschopen» bereits ausgezogen, und auch beim FDP-Nationalrat aus Bern sucht man vergebens nach einer Krawatte. Doch das passte gut zur KMU-Werkschau «Aargwärb»: Wichtig ist die Qualität, nicht der Schein.

Immer Identifikationsfiguren
Er habe sich gefragt, was denn eigentlich die Stärken der KMU seien, sagte Aarbergs Gemeindepräsident Fritz Affolter. «Hinter jedem Betrieb steht eine Identifikationsfigur», sei es ihm schliesslich bewusst geworden, als er blindlings den Finger auf den Faltprospekt mit dem Ausstellerverzeichnis gelegt und auf den Gartenbauer Heinrich Schömann getippt habe. Jeder in Aarberg kenne Heinrich, und das sei eben eine dieser Stärken – gepaart mit dem Umstand, dass dort, wo die Identifikation stimme, auch die Qualität der Leistung gut sei, ist Affolter überzeugt.

Und Wasserfallen? Von Grossrat Andreas Blank (SVP) wurde er zuvor als «durch und durch gewerbefreundlichen Politiker» angekündigt. «Ich möchte in Erinnerung rufen, dass wir Berner nicht nur mit dem nationalen Finanzausgleich NFA in Verbindung gebracht werden sollten», so Wasserfallen. Denn: «Der Kanton Bern ist international betrachtet top.» Dieses Selbstbewusstsein fehle uns Schweizern – und damit meinte er wohl auch die Berner – manchmal ein wenig. Einen etwas überraschenden Schlusspunkt seiner Ansprache setzte der Nationalrat mit einem Seitenhieb gegen politisch Andersdenkende: «Die bürgerliche Seite ist immer dazu verdammt, Blödsinn zu verhindern», sagte er zu den Anwesenden.  

Wertvolle Berufslehre
Bestimmt kein Blödsinn ist es, in der Schweiz eine Berufslehre in Angriff zu nehmen. Der zweite Ausstellungstag war eigens den Lernenden gewidmet. Und die können auch bei Betrieben in Aarberg und Umgebung etwas erleben und sich zu gestandenen Berufsleuten ausbilden lassen.

So zum Beispiel Lukas Leuenberger. Er ist im dritten und letzten Lehrjahr zum Maler bei der Firma Kiefer Roten AG in Lyss. Am Stand seiner Firma ist er gerade dabei, eine Kunstkarte von van Gogh zu vervollständigen. An der Wand nebenan hängen bereits die Kunstwerke seiner Lehrlingskollegen und -kolleginnen. «Der Malerberuf ist sehr populär geworden für Frauen», sagt Leuenberger. Drei Viertel in seiner Berufsschule seien mittlerweile Frauen. Das war nicht immer so: «In den Jahren 1985 und 1986 waren lediglich drei von zwanzig Stiften Frauen», erinnert sich Lukas Leuenbergers Chef Martin Kiefer an seine Lehrzeit zurück.

International erfolgreich
In der Firma von Christian Gehri aus Aarberg ist eine Lehre zum Möbelschreiner alles andere als gewöhnlich. Nicht selten kommt es vor, dass seine Lehrlinge mit von der Partie sind, wenn im Appenzell oder in Nidwalden eine Bankfiliale innen neu ausgestaltet wird. Die Firma Gehri hat sowohl mit ihrer Möbelschreinerei als auch mit dem Design- und Planungsbereich eine nationale und gar internationale Kundschaft. Das zeigen die Bilder der modern gestylten Wikibar an den Champs Elysées in Paris, die am Stand aufgehängt sind. Ein Beweis dafür, dass auch ortsansässige KMU weit über die Kantonsgrenzen hinaus erfolgreich sein können.

Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 8.9.14.

 

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