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Als ein Elefant ins Stedtli kam

Werner Adams vor der Aarberger Holzbrücke. Dass diese anfangs 19. Jahrhunderts auch durch einen Elefanten überquert wurde, wussten bislang wohl nur wenige Aarbergerinnen und Aarberger (Foto: Markus Nobs).
Das neuste Werk des Schriftstellers Werner Adams ermöglicht lebensnahe Einblicke ins Seeland des 18. und 19. Jahrhunderts. In der Bibliothek Aarberg stellte er soeben sein neues Buch vor.
«Archivgeflüster» lautet zwar der Titel des neusten Werks von Werner Adams. Geflüstert wird darin aber keinesfalls. Im Gegenteil: Die verschiedenen Kurzgeschichten über Menschen aus dem Berner Seeland haben es in sich. Da wird jemand vergiftet und der überführte Mörder schliesslich unter grossem Publikumsaufmarsch auf dem Dorfplatz hingerichtet. Da kommt es auch zu einer Messerstecherei beim «Fensterlen», dem sogenannten «Chiltgang» oder die Leserin und der Leser finden sich plötzlich mitten im Aarberger Stedtli wieder und verfolgen hautnah, wie ein Elefant auf den Stadtplatz einmarschiert, was dort zu einer mächtigen Aufregung und grossem Gezänk um den Brückenzoll führt. Nun könnte man sich fragen, ob Werner Adams eine blühende Fantasie hat und diese unterhaltsamen Kurzgeschichten allesamt frei erfunden sind? Keineswegs: Als Quelle beim Verfassen diente ihm das Staatsarchiv des Kantons Bern. Genauer gesagt handelt es sich um Gerichts- und Ermittlungsakten, welche Adams als Grundlagen für sein neustes Werk beizog. Bereits sein letztes Buch «In einem kalten Land», welches im April dieses Jahres erschien, kam so zustande (das BT berichtete).
Ein Dickhäuter im Stedtli
Im Jahr 1802 war es, als ein grauer Koloss im Aarberger Stedtli für Unruhe sorgte. Als auffälligster Teil eines Trosses von Schaustellern, welche auf der Durchreise von Bern nach Neuenburg auf dem Stadtplatz Halt machten, sorgten ein Elefant und vor allem sein Besitzer für mächtige Probleme: Es ging darum, dass der ausländische Schausteller den Brückenzoll von vierzig Batzen für den Elefanten und «die ganze Bagage» nicht entrichten wollte. Nicht nur die durch Mark und Bein gehenden Schreie des Dickhäuters, sondern auch die handfesten Streitereien zwischen den Schaustellern und den Zöllnern waren es, welche dazu führten, dass alles was in Aarberg Beine hatte, auf dem Stedtliplatz zusammenkam. Denn keiner wollte sich dieses Spektakel entgehen lassen. Dass der listige Schausteller schliesslich den offiziellen Tarif einsehen wollte, wie Elefanten taxiert werden müssten, machte die Sache nicht einfacher. Selbstverständlich gab es damals keine ordentlichen Zollansätze für Elefanten, welche eine Brücke passieren.
Ein Mehrwert für das Seeländer Publikum erhält das Buch nicht zuletzt durch den örtlichen Bezug, auch was die Familiennamen der Protagonisten anbelangt. Ob Lauper, Nobs, Schori, Tschannen, Salchli, Dardel, Hügli oder Krieg; es finden sich eine Vielzahl von Namen wieder, welche auch heute im Seeland noch alltäglich sind. Die Geschichten im Buch werden durch Illustrationen von Dario Benigno bereichert. Sie dienen als Brücke zwischen den Ideen des Autors und der Gedankenwelt der Leserinnen und Leser.
Zum Buch
Archivgeflüster / Werner Adams / 1. Auflage 2016, 110 Seiten / ISBN 978-3-9524378-4-1, CHF 29.50 www.werneradams.ch
Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 26. November 2016

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